Als der deutsche Gelehrte Eduard Georg Seler vor mehr als 100 Jahren Mexiko bereiste, um dort die Geschichte der indianischen Bevölkerung systematisch zu erforschen, betrat er wissenschaftliches Neuland: Seler, den vom Dschungel überwucherte Ruinen ebenso interessierten wie mündliche Überlieferungen, gilt als Begründer der Altamerikanistik. Bis heute erlebt dieses Fach eine dynamische Entwicklung. Es war und ist interdisziplinär: Schon Seler sammelte Artefakte und botanische Proben, studierte präkolumbische Architektur und Schrift. Inzwischen ergänzen physikalische Verfahren die archäologische Datierung, offenbaren mikroskopische Pflanzenreste Handelsbeziehungen zwischen Kulturräumen, unterstützen Computer die Entschlüsselungsarbeit von Inschriftenexperten.
Doch so dramatisch unser Wissen um die altamerikanische Geschichte angewachsen ist – manche großen Fragen bleiben nach wie vor unbeantwortet: Warum ging die Zivilisation der Maya zu Grunde? Glichen die präkolumbischen Gesellschaften denen in der Alten Welt? Gab es eine Mutterkultur, die alle späteren prägte?
Der Maya-Experte Nikolai Grube ist Professor für Altamerikanistik und Leiter des Ausgrabungsprojektes
in der Maya-Stadt Uxul am Institut für Ethnologie und Kulturanthropologie der Universität Bonn. Sein Vorgänger am Bonner Institut, Hanns J. Prem, leitete bis zu seiner Emeritierung 2003 ebenfalls verschiedene archäologische Projekte im Maya-Gebiet und beschäftigte sich intensiv mit den Quellen zur Geschichte der Azteken. 
