Dabei ist wenigen Helfern bewusst, in welcher Gefahr diese Tiergruppe tatsächlich schwebt: Von den knapp 6200 bislang bekannten Arten stuft die Weltnaturschutzorganisation IUCN ein knappes Drittel als bedroht ein, nimmt man auch die als "beinahe gefährdet" klassifizierten Spezies dazu, erreicht die Quote 41 Prozent. Zudem fallen sehr viele der gelisteten Arten in die höheren Gefährdungskategorien – Amphibien rangieren damit auf den vorderen Plätzen jener Lebewesen mit dem höchsten Aussterberisiko.
Der Tod hat viele Gesichter
Die Ursachen sind schnell erzählt: Zerstörung und Zerschneidung ihres Lebensraumes, Umweltverschmutzung und Klimawandel vernichten den Tieren die letzten Rückzugsmöglichkeiten. Dazu kommt eine Pilzinfektion, die insbesondere in Lateinamerika und Australien unter den Populationen auch in sonst unberührten Regionen wütet. Batrachochytrium dendrobatidis, so der Name des Pathogens, stammt womöglich ursprünglich aus Afrika und könnte zusammen mit dem Krallenfrosch (Xenopus laevis) um die Welt gereist sein. Denn dieser wurde früher zur Herstellung von Schwangerschaftstest global gehandelt und ist noch heute als Laborfrosch beliebt – und er ist gegen seinen Untermieter resistent, ein weiterer Hinweis auf seine lange Bekanntschaft mit dem Pilz.
Aktion statt Reaktion
"In Madagaskar haben wir die Chance zu handeln, bevor es zu spät ist"
(Franco Andreone et al.)
Im Jahr 2003 hatte die madagassische Regierung verkündet, die Schutzgebiete auf der Insel zu verdreifachen. Hier gelte es nun, gezielt auch solche Regionen einzubeziehen, in denen kritisch bedrohte Arten zuhause sind.
(Franco Andreone et al.)
Wichtige Kindheit und Jugend
Berücksichtigten die Wissenschaftler jedoch die Entwicklungsvarianten nicht, hatten gerade jene Arten das Nachsehen, deren Kaulquappen auf Wasser angewiesen sind. Sie sind es jedoch, die besonders unter der Infektion mit B. dendrobatidis leiden und daher weit stärker unter Druck stehen.
"Wenn möglich, sollten bei der Planung von Schutzvorhaben entscheidende Entwicklungsmerkmale der Tiere berücksichtigt werden", schließen die Forscher.
"Wenn möglich, sollten bei der Planung von Schutzvorhaben entscheidende Entwicklungsmerkmale der Tiere berücksichtigt werden"
(Rafael Dias Loyola et al.)
So ließen sich die Netzwerke entsprechender Naturreservate und die Effizienz der Maßnahmen verbessern. Angesichts stets knapper Kassen für solche Vorhaben sicher ein sinnvoller Vorschlag, um die notwendigen Entscheidungen auf eine fundierte Basis zu stellen. Damit auch Aktionen nach Beginn der Katastrophe noch mehr erreichen als nur eine post-mortem-Bestandsaufnahme.
(Rafael Dias Loyola et al.)











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