So zumindest die Theorie. In der Praxis stellt sich Super E10 als völlig kontraproduktives Mittel zum Klimaschutz dar – es schadet der Umwelt sogar. Längst haben zahlreiche Studien gezeigt, dass die Produktion von Kraftstoffen auf Pflanzenbasis eher Schäden verursacht, als einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Der intensive Anbau von Zuckerrüben, Mais oder Raps für Ethanol oder Agrardiesel lässt sich nur mit hohen Düngergaben bewerkstelligen, deren Stickstoffanteil in hohem Maß als Lachgas in die Atmosphäre austritt – und dort die Erderwärmung 300 Mal so effektiv antreibt wie Kohlendioxid. Alternative Quellen wie in Tanks gezüchtete Algen oder Erntereste wie Stroh oder Maisstängel befinden sich noch in Testphasen oder werfen bislang nur unergiebige Erträge ab.
Weit gehend ungeklärt ist außerdem, welche Schadstoffe bei der Verbrennung der grün angehauchten Treibstoffe entstehen – zumal, wenn sie mit herkömmlichem Benzin oder Diesel vermischt sind. Wissenschaftler haben jedoch schon entdeckt, dass sich bei der Verfeuerung von Agrardiesel deutlich mehr Krebs erregendes Formaldehyd oder leberschädigendes Azetaldehyd bildet als bei seinem mineralischen Vettern. Laut dem ARD-Magazin "Fakt" vom 6. Dezember 2010 hätten Wissenschaftler zudem Blausäure und Ozon in den Abgasen von mit Super E10 betankten Fahrzeugen nachgewiesen.
Der Kraftstoff ist aber nicht nur ein ökologisches Problem: Hier zu Lande wird Ethanol zumeist aus Weizen gewonnen, so dass Super E10 unmittelbar mit der Nahrungsmittelproduktion konkurriert – zukünftig steigende Preise für Grundnahrungsmittel sind dann auch dieser Politik mitgeschuldet. Und dieses Szenario ist keine Schwarzmalerei: In den USA stammt das Ethanol vor allem aus Mais, der durch eine ähnlich wie in Europa geartete Politik dann im Tank landet. Als Folge dieser Entwicklung stiegen im Jahr 2007 die Maispreise in Mexiko, das zuvor einen beträchtlichen Teil der US-Ernte importierte, und wütende Menschen gingen wegen sich verteuernder Lebensmittel auf die Straße.
Und Super E10 könnte auch noch einigen Autos auf Europas Straßen schwer schaden: Das beigemengte Ethanol reagiert chemisch aggressiv und greift Aluminiumbauteile an – Korrosion droht. Erhöhter Verschleiß droht auch bei Ventilen, Schläuchen und Gummidichtungen, aus denen es Weichmacher lösen kann, so dass sie porös werden. Etwa zehn Prozent aller Autos in Deutschland sind nicht für das Betanken mit dem neuen Kraftstoff geeignet, schätzt der ADAC und warnt ihre Besitzer davor, Super E10 zu tanken.
Ein letzter Punkt zeigt den ganzen Wahnsinn dieser Idee: Da die Energiedichte von Ethanol geringer ist als die von Erdölprodukten, reicht ein Tank auch weniger weit – es muss früher nachgetankt werden. Den Mehrverbrauch beziffert der Verkehrsclub Deutschland auf ein "Schnapsglas voll" pro 100 Kilometer, der Auto- und Reiseclub Deutschland auf drei Prozent. In der Summe von Millionen Autos verschlechtert dies letztendlich die Umwelt- und Klimabilanz des Kraftstoffs noch weiter. Man kann also nur hoffen, dass die Autofahrer dieses "grüne" Kuckucksei aus dem Nest werfen – indem sie Super E10 an der Tankstelle boykottieren.




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1. Aufklärung für Gläubige und Ungebildete
27.12.2010, Jochen Hoffmannsenden sie bitte je ein Freiexemplar an Frau Merkel und alle anderen deutschen Entscheidungsträger.
Sie sollten bedenken, das sie möglicherweise für ihre Fehlentscheidungen zur persönlichen Verantwortung gezogen werden könnten.
2. Höherer Verbrauch
27.12.2010, Heike NelsonAls wir durch einen Umzug von 100 Prozent Benzin auf 15 Prozent Ethanol umsteigen mussten, haben alle(!!!) unsere Autos circa 10 Prozent mehr Sprit verbraucht. Je höher der Ethanolanteil, desto schlechter wurde es.
Aber solche Äußerungen sind natürlich unbequem.
Wenn man mal die Politik beiseite legen würde und sich sachlich der Problematik annehmen würde, dann könnte man sich mal Brasilien anschauen.
3. Sie haben vergessen,
28.12.2010, Dr. Gilbert Brands, Krummhörn4. Preissteigerung
28.12.2010, Anna Radack, Eisenberg/Thür., Klosterlausnitzerstr. 245. Bio-Ethanol oder Brot?
03.01.2011, Dr.phil.nat. Wolf Brzoska, Ehingen /Donau6. Wirtschaftlich und ökologisch unzumutbar
04.01.2011, Angela M. Sturm aus Eicherloh bei MünchenIch riskiere zum einen nicht, dass mein Auto durch radikale Stoffe vorzeitig Motorteile und -schläuche benötigt und
zum anderen will ich nicht mitschuldig sein, wenn unser ökologisches System noch mehr leiden muss und durch falschen Anbau auch noch Lebensmittel teurer werden.
Ich frage mich langsam, wer denn behördlich solche Genehmigungen prüft?
7. Bio-Ethanol oder Brot??
06.01.2011, Rolf Schauder, Frankfurt"Von 100 Kilogramm Weizen kann ich 100 Kilogramm Brot backen - oder 28 Liter Sprit gewinnen"
Ich möchte diese Aussage nicht unkommentiert stehen lassen. Ich bin mir der Problematik Tank oder Teller durchaus bewusst. Aber falsche oder nicht nachvollziehbare Aussagen helfen in dieser Diskussion wenig.
Die obige Aussage ist in mehreren Punkten ungenau:
Aus 100 kg Weizen eines Feldes bekomme ich deutlich weniger Masse an Weizenkörnern. Aus 100 kg Weizenkörnern bekomme ich keine 100 kg Weizenmehl. Aus 100 kg Weizenmehl dagegen bekomme ich mehr als 100 kg Weizenbrot. Die genauen Zahlen weiß ich leider nicht.
Andererseits ist auch nicht ersichtlich, wie die Dame vom WWF auf die 28 Liter Sprit kommt. Bezieht sie sich hier auf 100 kg Weizenkörner, oder auf 100 kg Weizen (einschließlich des Rests der Pflanze)? Eine Biogasanlage sollte die ganze Pflanze zu Ethanol (und anderen Nebenprodukten) umsetzen, und nicht mit Weizenkörnern gefüttert werden.
Ich möchte meine Mail als Anstoß verstanden sehen, sinnvoll und nachvollziehbar zu argumentieren.
8. Selbst recherchiert oder nur abgeschrieben?
19.01.2011, C. Abel, KarlsruheWie sollte er auch, da er nicht selbst recherchiert, sondern woanders abgeschrieben wurde.
Um nur einen Aspekt herauszugreifen: Wenn die Düngung von Weizenfeldern diese negativen Auswirkungen auf die Umwelt hat, dürfen wir zu allererst mal keinen Weizen mehr anbauen - kein Brot essen und keine Tiere mit dem Weizen füttern- Der Anteil der zu Biosprit verarbeitet wird, ist ja verschwindend gering.
Aber für jede Tonne Rindfleisch werden ca. 7 T Getreide verfüttert.
Zudem wird im Prozess der Ethanolgewinnung der gebundene Stickstoff (in Form von Proteinen) nicht vernichtet, sondern als Tierfutter weiterverarbeitet.
Ansonsten: Basiswissen Chemie (könnte man ja bei Spektrum der Wissenschaft unterstellen, dass so etwas vorhanden ist): Schläuche, die zwar gegen Benzin (aliphatische und aromatische Kohlenwasserstoffe, also unpolar) aber nicht gegen Ethanol (polares Lösungsmittel) stabil sind. Was soll dass für ein Material sein?
Der Hinweis auf Brasilien (oder USA ) ist gut. In USA fahren identische Automodelle wie in Europa seit 2004 mit E10, offensichtlich ohne große Probleme. In Brasilien ist die Beimischung noch höher.
Also empfehle ich weiter dicke Autos fahren, jeden Tag Fleisch essen und sich über E10 aufregen.