In den Niederlanden reicht nun schon die Wahrscheinlichkeit einer zukünftigen Krankheit aus, um Embryonen bei der künstlichen Befruchtung auszusortieren. Die Entwicklung hier und in anderen Ländern zeigt: Ohne eine strenge Regulierung läuft die Präimplantationsdiagnostik Gefahr, außer Kontrolle zu geraten.
Den eigenen Töchtern die Angst vor Brustkrebs zu ersparen, klingt natürlich verlockend. Man muss kein Hellseher sein, um sich auszumalen, wie viel Nachfrage ein entsprechendes Untersuchungsangebot in den Reproduktionskliniken produzieren – und wie viel Geld es in die Kassen der Mediziner spülen wird.
Doch der Wunsch nach Kontrolle geht in die Irre: Auch Frauen ohne die BRCA-Gene können an Tumoren erkranken. Nur fünf Prozent der Brustkrebserkrankungen sind erblich bedingt. Die Heilungschancen bei einer frühen Erkennung stehen auch hier gut, es gibt Vorsorgemöglichkeiten und spezielle Therapien für Risikopatientinnen. Zudem finden Forscher immer neue Gensequenzen, die bei der Krebsentstehung eine Rolle spielen. Wenn jeder Embryo mit einem solchen Gen oder einer Gensequenz aussortiert werden sollte, dürfte es schwierig werden, überhaupt noch Embryonen zu finden, die von den Frauen ausgetragen werden können.
Zudem ermöglicht die Argumentation mit der Wahrscheinlichkeit eine immer breitere Auslegung des Krankheitsbegriffs und erschafft so eine Diktatur der Gesunden. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch die wahrscheinliche Erkrankung an Diabetes oder die wahrscheinliche Neigung zu Suchtverhalten zur Selektion von Embryonen führen.
In einer Zeit der hoch technisierten Vorsorgemedizin stellt sich einmal mehr die Frage, ob man wirklich alle Methoden bis zum Schluss ausreizen sollte. Ursprünglich war die PID gedacht, um so genannten Risiko-Paaren zu ermöglichen, ein Kind zu bekommen, das keine schwere und unheilbare vererbbare Krankheit hat. Unter solchen Krankheiten verstand man etwa die Mukoviszidose, an der die Kinder lange leiden und langsam sterben. Inzwischen jedoch werden mit der PID in Großbritannien Embryonen so ausgesucht, dass ihr Erbmaterial sich als Spender für ihre kranken älteren Geschwister eignet. In anderen Ländern wird auf Trisomie 21 hin selektiert. Beides Anwendungen, die mit dem ursprünglichen Konzept der PID nicht mehr zu begründen sind.


Freie Wissenschaftsjournalistin 




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1. Pseudoethischer Unsinn
29.05.2008, Kronberg2.) Jede Grenzziehung in Bezug auf das, was mit PID ermittelt werden darf, ist willkürlich. Will die Autorin sich zur Richterin darüber aufschwingen, was andere dürfen und was nicht?
3.) Eine Ethik, die, aus welchen Gründen auch immer, einem Kind die bestmöglichen Startchancen verweigert, ist keine.