Hintergrund | 05.02.2013

Anthropologie

Das Ritualtier Mensch

Beten, kämpfen, tanzen, singen - Rituale könnten beleuchten, wie sich Gesellschaften formen und die Zivilisation ihren Ursprung nahm.

Als Brian McQuinn im Juli 2011 mit einem Schiff von Malta zum Hafen von Misrata in Libyen übersetzte, tobte der blutige Aufstand gegen Diktator Muammar al-Gaddafi bereits seit fünf Monaten. "Die ganze Stadt befand sich im Belagerungszustand, überall wimmelte es von Gaddafi-Getreuen", erinnert sich der in Kanada geborene McQuinn. Solche Situationen waren ihm nicht fremd, hatte er doch in den vergangenen zehn Jahren für friedensstiftende Organisationen in Ländern wie Ruanda und Bosnien gearbeitet. Dieses Mal nahm er das Risiko allerdings im Interesse der Forschung auf sich – als Doktorand der Anthropologie an der University of Oxford in England. Er wollte Kontakt mit Rebellengruppen aufnehmen, sie bei ihren Kämpfen begleiten und auf diese Weise herausfinden, wie sie Rituale einsetzen, um inmitten konstanter Gewalt für Solidarität und Loyalität zu sorgen.

Sein Plan ging auf: McQuinn verbrachte sieben Monate mit den Rebellen und fertigte in dieser Zeit eine erstaunlich eingehende und persönliche Fallstudie darüber an, wie sich Rituale durch den Kampf und schließlich den Sieg entwickelten. Seine Arbeit war dabei nur Teil eines viel größeres Projekts: eine 3,7 Millionen Euro teure Untersuchung von Ritualen, Gemeinschaft und Konflikten. Gefördert wird die Forschung bis 2016 durch das britische Economic and Social Research Council (ESRC) unter Leitung von McQuinns Doktorvater, dem Anthropologen Harvey Whitehouse von der University of Oxford.
Ultraorthodoxer Jude an der Klagemauer
  Ultraorthodoxer Jude an der Klagemauer
In großen Teilen Jerusalems bestimmen sie das Straßenbild: die ultraorthodoxen Haredim. Ihre Gebete sind wie die von Christen, Muslimen, Buddhisten oder Hindus ein Ritual im doktrinären Modus.

Rituale sind ein menschliches Allgemeingut – "der Leim, der gesellschaftliche Gruppen zusammenhält", erklärt Whitehouse, der das Team aus Anthropologen, Psychologen, Historikern, Ökonomen und Archäologen von zwölf Universitäten in Großbritannien, den USA und Kanada leitet. Rituale unterscheiden sich teils sehr stark, vom gemeinsamen Beten in der Kirche über die manchmal gewalttätigen und demütigenden Aufnahmerituale an US-Hochschulen bis hin zu den Reinheitsritualen der Ilahita Arapesh in Neuguinea, bei denen der Penis eines jungen Mannes mit Rasiermessern aus Bambus und den Schneidezähnen eines Schweins aufgeritzt wird. Trotz dieser Vielfalt, glaubt Whitehouse, gehe es bei Ritualen immer um Gemeinschaftsbildung – und das räume ihnen eine zentrale Rolle bei der Suche nach den Ursprüngen von Zivilisation ein.

Um diesen Sachverhalt zu erforschen und herauszufinden, wie dieser soziale Kleber funktioniert, will Whitehouse in seinem Projekt neben Feldforschung auch archäologische Ausgrabungen heranziehen sowie Laborstudien aus der gesamten Welt – vom kanadischen Vancouver bis hin zum Inselarchipel Vanuatu im Südpazifik. "Dies ist das umfangreichste Forschungsprojekt über Rituale, das jemals unternommen wurde", sagt Scott Atran, Direktor der anthropologischen Forschung am CNRS, der nationalen französischen Forschungsorganisation, in Paris und Berater des Projekts.

"Doktrinärer Modus"

Ein wesentliches Ziel der Studie wird sein, eine von Whitehouse aufgestellte Theorie zu überprüfen: Rituale lassen sich demzufolge in zwei Klassen unterteilen, mit jeweils unterschiedlichen Auswirkungen auf die Gruppenbindung. Routinemäßige Handlungen wie etwa Gebete in der Kirche, Moschee oder Synagoge oder das tägliche Treuegelöbnis in vielen US-amerikanischen Grundschulen fallen nach Whitehouse in die Kategorie "doktrinärer Modus". Diese Rituale, argumentiert er, lassen sich leicht an Kinder und Fremde vermitteln und eignen sich gut, um Religionen, Stämme, Städte und Nationen aufzubauen – Gemeinschaften auf breiter Basis, die nicht von persönlichem Kontakt abhängen.

Bei seltenen, traumatischen Handlungen wie Schlagen, Narbenbildung oder Selbstverstümmelung handelt es sich dagegen um Rituale, die Whitehouse als "imaginativen Modus" bezeichnet. "Traumatische Rituale erzeugen enge Bindungen zwischen denen, die sie zusammen durchleben", sagt er. Damit eigneten sie sich vor allem dafür, kleine und stark engagierte Gruppen zu bilden, wie Sekten, militärische Einheiten oder terroristische Zellen. "Im imaginativen Modus weisen die Gruppen niemals die gleiche Größe, Einheitlichkeit, Zentralisierung oder hierarchische Struktur auf, wie wir es vom doktrinären Modus kennen", sagt er.

Whitehouse entwickelte seine Theorie von "unterschiedlichen Formen von Ritual und Religion" ab den späten 1980er Jahren, basierend auf seiner Feldforschung in Papua-Neuguinea und anderswo. Und seine Ideen erregten die Aufmerksamkeit von Psychologen, Archäologen und Historikern. Bis vor Kurzem beruhte die Theorie jedoch weit gehend auf ausgewählten ethnografischen und historischen Fallstudien und machte sie damit angreifbar. Mit dem aktuellen Projekt versuchen Whitehouse und seine Kollegen, eventuellen Zweifeln mit tiefer greifenden, systematischeren Daten entgegenzutreten.

Die Jagd nach diesen Daten führte McQuinn nach Libyen. Dort wollte er herausfinden, wie die kennzeichnenden Merkmale des imaginativen und des doktrinären Modus – also stark emotionale Erfahrungen, die von wenigen Personen geteilt werden, im Vergleich zu routinemäßigen, täglichen Handlungen, an denen zahlreiche Menschen teilnehmen – in die Entwicklung der Rebellengruppen von kleinen Trupps zu großen Brigaden hineinspielten.

Schrei der Rebellen

Zunächst, sagt McQuinn, fanden sich befreundete Nachbarn in kleinen Gruppen zusammen, deren Mitglieder "noch in ein Auto passen würden". Später lebten die Kämpfer in 25 bis 40 Mann starken Gruppen auch gemeinsam in leer stehenden Gebäuden und Wohnungen von reichen Unterstützern. Schließlich, nachdem Gaddafis Truppen aus Misrata vertrieben worden waren, entstanden deutlich größere und hierarchisch organisierte Brigaden, die weite Strecken der Verteidigungslinie der Stadt bewachten. Es gab sogar eine Union der Revolutionäre von Misrata, bei der im November 2011 insgesamt 236 Rebellengruppen registriert waren.

eine Reihe von Buddhastatuen
  Buddhastatuen
Weltweit haben sich im Lauf der Zeit aus anfänglichen Ritualen kleiner Gruppen zum Teil sehr große Religionsbewegungen entwickelt, die sich wiederum durch jeweils eigene Rituale unterscheiden.

McQuinn befragte mehr als 300 Rebellen aus 21 dieser Gruppen, die zwischen 12 und knapp über 1000 Mitglieder zählten. Die frühen, kleineren Trupps gingen meist aus bereits bestehenden, persönlichen Beziehungen hervor, so das Resultat. Als diese Gruppen dann während des Bürgerkriegs auf den Straßen von Misrata gemeinsam die Angst und Aufregung bei den Gefechten erlebten, stärkte das ihren Zusammenhalt, und die Mitglieder fühlten sich einander verpflichtet.

Sechs der Gruppen wuchsen zu regelrechten Superbrigaden heran mit mehr als 750 Kämpfern und stellten "eher so etwas wie ein Unternehmen mit eigenen organisatorischen Ritualen" dar, so McQuinn. Bei einer Reihe von Truppenführern handelte es sich einst um erfolgreiche Geschäftsleute, und sie trommelten alle täglich zusammen, um sie gemeinsam auszubilden, zu instruieren und ihre moralischen Verhaltenskodizes zu bekräftigen – also routinemäßige Gruppenhandlungen, wie sie den doktrinären Modus kennzeichnen. "Diese täglichen Gepflogenheiten bringen die Menschen dazu, von 'unserer kleinen Gruppe' überzugehen zu 'jeder, der hier mitmacht, ist ein Teil unserer Gruppe'", sagt McQuinn.

Die Arbeit von McQuinn und Whitehouse mit libyschen Kämpfern unterstreicht, wie gemeinsame Kriegstraumata kleine Gruppen eng zusammenführen können. Imaginative Rituale rufen Schrecken hervor, um die gleiche Wirkung zu erzielen. Eine ähnliche Sachlage findet Whitehouse auch in bis jetzt noch unveröffentlichten Studien über die beängstigenden, schmerzhaften und demütigenden Aufnahmerituale von Studentenverbindungen an US-amerikanischen Universitäten. Zudem zeigen auch Umfragen bei Vietnam-Veteranen, wie gemeinsame Traumata die Loyalität zu den Kameraden prägen.

Für eine globalere Sicht auf rituelle Praktiken griffen Whitehouse und Projektmitglied und Psychologe Quentin Atkinson von der University of Auckland, Neuseeland, auf eine bereits bestehende Datenbank zurück, in der Informationen über alle möglichen Kulturen dieser Erde gespeichert sind. Anhand dieser Daten untersuchten die beiden Forscher bei insgesamt 645 Ritualen in 74 Kulturen den Zusammenhang zwischen Häufigkeit, Spitzenwert der emotionalen Erregung und durchschnittlicher Gruppengröße. Wie vorhergesagt, ließen sich die Rituale in zwei Kategorien einteilen: in einen selten auftretenden imaginativen Typ mit starker emotionaler Erregung, der häufiger in Gesellschaften mit kleineren durchschnittlichen Gemeindegrößen zu beobachten war, sowie in häufig auftretende doktrinäre Rituale mit geringer emotionaler Erregung, die eher in Gesellschaften mit vielen Mitgliedern verbreitet waren.

Angesichts dieser Daten aus heutigen Kulturen fällt es schwer, nicht über die Funktion von Ritualen in der Geschichte zu spekulieren: Spielte der Übergang vom imaginativen hin zum doktrinären Modus eine Rolle bei der Entstehung von großen, komplexen Gesellschaften vor 10 000 Jahren?

Die Geburt der Zivilisation?

Um dieser Frage nachzugehen, durchforsteten Whitehouse, Atkinson und Camilla Mazzucato von der University of Oxford archäologische Daten aus Çatalhöyük, einer der bisher größten und besterhaltenen bekannten neolithischen Städte. Gegründet wurde Çatalhöyük während der Anfänge der Landwirtschaft, vor rund 9500 Jahren, in der anatolischen Hochebene im Nordwesten der Türkei. Zu ihrer Blütezeit beherbergte die Stadt mehr als 8000 Menschen.

Die frühen Grabungsschichten der Stadt zeigen, dass die Einwohner ihre Angehörigen häufig unter den Fußböden ihrer Häuser begruben, teilweise mit abgetrennten Köpfen. Wandmalereien berichten davon, wie die Bewohner der Stadt gemeinsam wilde Stiere malträtieren und töten, um sie schließlich festlich zu verspeisen. "Der gesamte Vorgang des Hetzens und Tötens dieser Tiere muss ein sehr intensives Erlebnis gewesen sein und hatte vermutlich eine große emotionale Wirkung", sagt Grabungsleiter Ian Hodder, Archäologe an der Stanford University in Kalifornien. Diesen gelegentlichen Festgelagen wurde auch ein Denkmal gesetzt, indem man die Schädel und Hörner der Stiere in den Häusern aufhängte. Die restlichen Knochen begruben die Menschen, um den Bau oder Abriss eines Hauses zu zelebrieren, wobei es sich laut Hodder ebenfalls um sehr rituelle Ereignisse handelte.

Belege für solche imaginativen Rituale nehmen in den späteren Grabungsschichten von Çatalhöyük ab. Sowohl die Stierhatz als auch das Aufhängen von Stierhörnern gerieten offenbar aus der Mode, meint Hodder, als die Menschen vermehrt domestizierte Schafe, Ziegen und Rinder hielten. Auch fanden Bestattungen immer seltener innerhalb des Hauses statt, und massenhaft gefertigte symbolische Artefakte wie etwa bemalte Keramik und Siegelstempel erfreuten sich großer Beliebtheit. Diese Umbrüche gehen mit einem Wandel der Rituale hin zu einem mehrheitlich doktrinären Modus einher, meinen Whitehouse und Hodder, da die Bewohner in einer größeren, kooperativen Gemeinschaft vereint waren und sich gemeinsam der Landwirtschaft und dem Hüten der Tiere widmeten. Obwohl spekulativ, stimmt diese Interpretation mit Whitehouses und Atkinsons kulturvergleichenden Studie überein: Demnach ist der doktrinäre Modus in modernen Gesellschaften eher anzutreffen, wenn Landwirtschaft besonders intensiv betrieben wird.

singende Papua-Männer
  Sing Sing
Ein großes Stelldichein der Kulturen mit ihren verschiedenen Ritualen ist das Sing-Sing-Festival im Hochland Neuguineas: Verschiedene Stämme kommen hier zusammen, um im friedlichen Wettstreit zu singen und ihre Traditionen zu pflegen.

Neben Çatalhöyük bauen Whitehouse, Atkinson und Mazzucato auch eine regionale Datenbank auf, die ähnliche Ritualwandel in 60 anderen Stätten im Nahen Osten dokumentiert – vom Ende der Altsteinzeit vor rund 10 000 Jahren bis in die frühe Bronzezeit vor rund 7000 Jahren. Diese Informationen werden sich nahtlos in eine andere Datenbank einfügen, in der sich Zahlen und Fakten aus der gesamten Welt und aus den vergangenen 5000 Jahren finden. Diese Quelle enthält verschlüsselte Informationen über Kultur, Religion und rituelle Praktiken von Menschen weltweit und verbindet diese mit Angaben zur sozialen Komplexität – also etwa die Verwaltungsebenen einer Regierung oder die Anzahl verschiedener Berufe – sowie zur Art und Härte der Kriegsführung. Auf Basis dieser Datenbank wollen die Forscher letztlich Verbindungen zwischen rituellem und gesellschaftlichem Leben erforschen. Ebenso interessiert sie, wie Krieg und Wettbewerb zwischen Gesellschaften bestimmte Rituale fördern und sich auf die soziale Komplexität auswirken.

Mitglieder des ESRC-Projekts untersuchen auch die Ansichten der Menschen darüber, wie Rituale wirken. Cristine Legare von der University of Texas in Austin studierte beispielsweise brasilianische Rituale, "simpatias" genannt, die angeblich alltägliche Probleme beheben – angefangen von Pech über Asthma bis hin zu Depressionen. Will man etwa einen guten Job haben, so muss der Arbeitsuchende laut entsprechendem "simpatia" die Zeitungsseite mit den Stellenanzeigen bei Vollmond heraustrennen, sie viermal falten und anschließend zusammen mit einer kleinen weißen Kerze, ummantelt mit Honig und Zimt, auf den Boden legen. Während der Zeremonie soll man sich selbst in seinem neuen, gut bezahlten Job vorstellen. Später werden Kerzenstummel und Papier dann gemeinsam mit einer Pflanze begraben und täglich gegossen – und der Traumjob wird nicht lange auf sich warten lassen.

Der rituelle Geist

Legare befragte Brasilianer zu verschiedenen "simpatias" und stellte fest, dass die Leute diese für effektiver halten, wenn das Ritual zahlreiche sich wiederholende Handlungen erforderten, die zu einer bestimmten Zeit und im Beisein religiöser Symbole zu geschehen hatten. "Wir lernen seit jeher von anderen", so Legare, und das bringt uns dazu, Dinge zu wiederholen, wenn sie bei einem anderen zu wirken scheinen – "auch wenn wir nicht verstehen, wie sie die gewünschten Ergebnisse hervorbringen."

Derweil untersuchen der Psychologe Ryan McKay von der University of London und Jonathan Lanman von der Queens University in Belfast, der sich mit kognitiver Anthropologie beschäftigt, wie sich Rituale in einzelne Elemente zerlegen lassen und wie jede dieser Komponenten das Verhalten beeinflusst. Ein solches Element sind synchronisierte Körperbewegungen – wie etwa der ritualisierte Stechschritt bei Militäreinheiten –, die sozialpsychologischen Studien zufolge ein Gefühl von Verbundenheit und Vertrauen zwischen den einzelnen Personen fördern. Diese Arbeit knüpft an Forschungen von Richard Sosis von der University of Connecticut an. Der Anthropologe zeigte, dass dieses Vertiefen in kollektive Rituale, wie etwa in ein gemeinsames Gebet, in einem israelischen Kibbuz das kooperative Verhalten in spieltheoretischen Entscheidungssituationen steigert – aber nur mit anderen Kibbuz-Mitgliedern.

Rituale besitzen jedoch auch Schattenseiten. Studien des Psychologen Ara Norenzayan von der University of British Columbia in Vancouver, der in dem Projekt als Berater mitwirkt, legen nahe, dass der Zuspruch für Selbstmordattentate unter Palästinensern stärker von der Teilnahme an gemeinschaftlichen Ritualen als von religiöser Hingabe abhängt, die sich an der Häufigkeit von persönlichen Gebeten bemisst. Laut Atran könnten Rituale auch Konflikte nähren, indem sie die Ansichten und Einstellungen der Gruppen zu "heiligen Werten" machen – absolute und nicht verhandelbare Überzeugungen, die sich nicht mit materiellen Gütern wie Geld aufwiegen lassen. Das Recht, das Westjordanland zu besetzen, stellt für viele Israelis beispielsweise einen solchen Wert dar. Für viele Palästinenser ist es hingegen das Recht auf Rückkehr in die Dörfer, aus denen sie vertrieben wurden. Will man sich Zugeständnisse zu diesen heiligen Werten mit finanziellen Mitteln erkaufen, so fand Atran heraus, verfestigten sich diese Werte nur noch weiter.

Wie Rituale bestimmte Werte und Einstellungen sakralisieren können, zeigt auch eine Studie von Atran über Kirchgänger in den Vereinigten Staaten: Je häufiger diese Personen die Kirche besuchen, desto wahrscheinlicher halten sie das Recht, eine Waffe zu besitzen und zu tragen, für einen heiligen Wert. "In der Menschheitsgeschichte schweißten uns stark emotionale Rituale zusammen und ließen uns den Kampf mit unseren Feinden aufnehmen", sagt Whitehouse. "Erst als sich nomadisch lebende Sammler und Jäger niederließen, entdeckten wir die Möglichkeiten, deutlich größere Gemeinschaften aufzubauen – basierend auf häufig wiederholten Bekenntnissen und Ritualen."

Die große Frage sei laut Whitehouse, ob sich diese Art der Geschlossenheit auf die gesamte Menschheit ausdehnen lässt. Der Anthropologe möchte verstehen, wie Rituale das Verhalten einer Gruppe prägen. Denn das sei der erste Schritt, um sie eventuell einmal zu nutzen, um Konflikte zwischen Gruppen abzuschwächen. Und so hofft Whitehouse, dass solche Erkenntnisse den politischen Entscheidungsträgern dabei helfen könnten, "neue Formen der friedlichen Zusammenarbeit zu etablieren und Diktatoren zu stürzen".

Der Artikel erschien ursprünglich in Nature 493, S. 470-472, 2013.

© Spektrum.de
eine Reihe von Buddhastatuen

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