Meldung | 16.07.2009

Artenvielfalt

Stars als Spinnen

Udo Lindenberg hat die Ehre, Dieter Hildebrandt, Nina Hagen – und David Bowie auch: Sie alle stehen Pate für eine Reihe neuer Spinnenarten aus Südostasien. "Getauft" hat die Achtbeiner der Frankfurter Arachnologe Peter Jäger vom Senckenberg-Forschungsinstitut in Frankfurt. Mit den Berühmtheiten will er auf die Gefährdung der Artenvielfalt hinweisen.

Einen Arachniden von Ambon, der Hauptinsel der Molukken, widmete der Forscher beispielsweise Dieter Hildebrandt: Heteropoda hildebrandti soll den Kabarettisten als das "moralische Gewissen" der Nation ehren. Heteropoda richlingi wiederum verdankt ihren Namen der Sprachakrobatik, mit welcher Hildebrandts Kollege Mathias Richling seine Bestandsaufnahmen der Gegenwart spickt und Zeitgenossen ebenso scharf wie sinnig parodiert. Heteropoda udolindenberg, eine rötlich-braune Spinne aus Bukittinggi auf Sumatra, ist nach dem engagierten Umweltaktivisten, Idealisten und erfolgreichen Sänger Udo Lindenberg benannt. Kontrastreich wie ihr Namenspate David Bowie wirkt die Riesenkrabbenspinne Heteropoda davidbowie, deren besondere Gesichtszeichnung sich markant von der leuchtend gelben Grundfärbung der in Malaysia lebenden Spinne abhebt. Und von dort stammt auch Heteropoda ninahagen, über die sich vielleicht die Punk-Sängerin Nina Hagen freut.

David-Bowie-Spinne
Bildzoom David-Bowie-Spinne
Sie sieht aus wie ein Rockstar – und ist auch nach einem benannt: Heteropoda davidbowie soll auf die Bedrohung der asiatischen Regenwälder und ihrer Bewohner aufmerksam machen.
Nicht alle der 17 neu beschriebenen Spezies haben allerdings einen derart fröhlichen Hintergrund: Heteropoda homstu beispielsweise beinhaltet den lateinischen Begriff "homo stultus", was soviel wie "dummer Mensch" bedeutet – Ausdruck von Jägers Frust, der auf seinen Expeditionen beobachten muss, wie rasch die Ökosysteme in Laos, Indonesien oder Malaysia vernichtet werden: "Es ist ein Arbeiten gegen die Zeit. Mit diesen Arten verlieren wir momentan in kürzester Zeit auch genetische Ressourcen, die sich in mehr als 300 Millionen Jahren entwickelt haben."

Einige Arten bekamen daher auch Namen von Zeitgenossen verliehen, die sich dem Natur- und Umweltschutz verschrieben haben oder zu einer Umkehr unseres momentan wenig nachhaltigen Wirtschaftsmodells mahnen: Auch Ernst Ulrich von Weizsäcker hat daher nun einen "Partner" im Spinnenreich – weil er sich stets für ökologisch ausgerichtetes Handeln engagiert. (dl)
© Spektrum.de

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