Zwerggalaxien umfassen nur einige Millionen Sterne – vier bis fünf Größenordnungen weniger als die Milchstraße. Vor über 30 Jahren entwickelten Forscher ein Modell, wonach große Galaxien ihren heutigen Umfang erreichten, indem sie die Winzlinge in ihrer Nachbarschaft verschluckten. Doch das Modell hatte ein Problem: Es impliziert, dass beide Galaxientypen die gleichen Sternpopulationen enthalten. Nun ist der Randbereich der Milchstraße, der so genannte Halo, voll von besonders alten, metallarmen Sternen. Solche primitiven Exemplare aber waren in den Zwerggalaxien nicht auffindbar – bis jetzt.
Als Anna Frebel vom Havard-Smithsonian Center for Astrophysics in Massachusetts und ihre Kollegen nun gezielt danach suchten, wurden sie in der Zwerggalaxie Sculptor fündig. Dort entdeckten sie in über 280 000 Lichtjahren Entfernung einen Stern mit sehr geringem Anteil an Metallen – worunter Astronomen alle Elemente verstehen, die schwerer sind als Helium. Die Metallkonzentration betrug dort weniger als ein 4000stel derjenigen auf der Sonne, und sie war nur ein fünftel so hoch wie bei irgendeinem anderen bisher untersuchten Stern einer Zwerggalaxie. Mit spektroskopischen Methoden ermittelten die Forscher außerdem den Anteil bestimmter Metalle wie Kalzium oder Magnesium und verglichen die Werte mit denen von Objekten aus dem Halo der Milchstraße. Auch hier bestand eine große Ähnlichkeit.
Metallarme Sterne in fernen Zwerggalaxien ließen sich mit bisherigen Methoden nur schwer entdecken. Deshalb wurden sie nach Ansicht von Frebel und ihren Kollegen schlicht übersehen. Die Forscher sind überzeugt davon, dass die Suche danach weitere Exemplare zu Tage fördern wird. Die Abstammung der Halosterne von Zwerggalaxien wäre damit bestätigt.
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