Als der Mönch Johann von Gorze im Jahr 950 als Gesandter des ostfränkischen Königs Ottos I. nach Córdoba kam, staunte er nicht schlecht. Die Hauptstadt des muslimischen Reichs al-Andalus war von breiten, mitunter sogar gepflasterten Straßen durchzogen, es gab öffentliche Bäder und ein Postamt. Dennoch haderte von Gorze mit all der Pracht, denn sie stand ihm auch für Heidentum und verwerfliche Sinneslust. Den späteren Papst Silvester II. wiederum schreckte die orientalische Lebensweise nicht davon ab, 967 die Iberische Halbinsel selbst aufzusuchen, um dort die Schriften arabischer Gelehrter zu Astronomie und Mathematik zu studieren. Insbesondere Córdoba barg einen Schatz von zehntausenden Manuskripten – eine Bibliothek, die zu jener Zeit wohl alle anderen in Europa weit übertraf. Diese Sammlung bewahrte das verbliebene Wissen der Antike, überwiegend in Form arabischer, in Bagdad angefertigter Übersetzungen. Deshalb zog die Metropole Gelehrte aller Konfessionen an. Dort forschten etwa der muslimische Philosoph Averroës und der jüdische Arzt Moses Maimonides; durch Übersetzungen ins Lateinische fanden auch die Werke des Aristoteles ihren Weg nach Paris, wo Thomas von Aquin auf ihrer Grundlage die Scholastik entwickelte: die Keimzelle der modernen Philosophie.

Dieser Wissenstransfer zwischen christlicher und islamischer Welt in Córdoba, später dann in den von christlichen Fürsten zurückeroberten Städten wie Sevilla und Toledo, schuf wichtige Grundlagen der als Renaissance bekannten Wiederentdeckung antiken Wissens und antiker Kunst im Italien des 15. Jahrhunderts. Vom engen Kontakt profitierten aber nicht nur die Wissenschaften. In dem seit 711 muslimisch besetzten Teil der Iberischen Halbinsel erreichte auch die aus dem Orient und Nordafrika mitgebrachte arabische Gartenkunst einen Höhepunkt – und lieferte nach Ansicht vieler Historiker Impulse für die Gärten der Renaissance.

Die erbauenden Anlagen fanden sich in der Regel bei Palästen, herrschaftlichen Stadthäusern und prächtigen Villen im ländlichen Umfeld. Wie Gärten im Orient bestanden sie aus einem Verbund in sich geschlossener und meist quadratischer Einheiten. Eine Eigenentwicklung Spaniens war eine Terrassenarchitektur, die darauf abzielte, Ausblicke in die Weite zu gestalten …