Evolution: Das Gift der Schlangen

Schlangengifte sind hochvariabel und ändern sich schnell. Was die Suche nach Gegenmitteln erschwert, ist ein Paradebeispiel für die Evolution.
von
Okinawa-Grubenotter
© OIST/Steven Aird
(Ausschnitt)
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Bis zu 140 000 Menschen sterben jedes Jahr schätzungsweise durch Schlangenbisse - weil Gegengifte prinzipiell oder zumindest an Ort und Stelle fehlen. Und was die Suche nach Gegenmitteln noch zusätzlich erschwert, ist der Variantenreichtum dieser Toxine. Manche Schlangen töten einzigartig, andere wie diese Okinawa-Grubenotter (Trimeresurus elegans) verändern ihr Gift über Generationen hinweg so schnell, dass Mediziner kaum hinterherkommen. Alexander Mikheyev vom Okinawa Institute of Science and Technology und sein Team untersuchten daher, welche Einflüsse für diesen raschen Wandel verantwortlich sind. Wie viele Schlangengifte besteht auch jenes der Okinawa-Grubenotter aus mehr als einer tödlichen Ansatzstelle. So soll gewährleistet werden, dass das Opfer tatsächlich stirbt, wenn das Reptil zubeißt, etwa durch Kreislaufversagen oder tödliche Blutgerinnung. Versagt eine Komponente, hilft hoffentlich die andere. Neben der starken evolutionären Selektion - sie sorgt dafür, dass die effektivsten Giftbestandteile weitergegeben werden - spielt demnach auch Gendrift eine große Rolle: zufällige Veränderungen, die bei den für die Toxinproduktion verantwortlichen Genen offensichtlich recht häufig vorkommt. Handelt es sich dabei um Mutationen, welche das Gift zwar verändern, aber nicht abschwächen, so werden auch sie über die Generationen weitergegeben und nicht herausselektiert - was letztlich den Variantenreichtum der Toxine steigert.