Bilder der Woche | 26.04.2013 | Drucken | Teilen

Feenhafter Parasit

Judith Gor
Tinkerbella nana
 Bild vergrößern Schaurigschöne Tinkerbell

Insektenfreunde dürften in dieser elektronenmikroskopischen Aufnahme eine grazile Schönheit erkennen, während sich wohl mancher fragt, ob hier einer missgebildeten Fliege Sonnentau aus dem Rücken wächst. In Wahrheit handelt es sich bei diesen ausgefransten Paddeln um die Flügel der jüngst entdeckten Eierschlupfwespe Tinkerbella nana. Die gerade einmal einen Viertelmillimeter große Zwergwespe wurde in der Provinz Alajuela in Costa Rica entdeckt und nach der fragilen Fee aus Peter Pan benannt. Im Regenwald, ihrem bevorzugten Habitat, geriet sie in das engmaschige Schwungnetz der Forscher John T. Huber und John S. Noyes von der Canadian National Collection of Insects und dem Natural History Museum in London, die eigentlich nach anderen Zwergwespen suchten.

Die meist schwarz gefärbten Taillenwespen führen auf Grund ihrer geringen Größe ein Leben im Verborgenen - obwohl sie nahezu überall auf der Welt vorkommen. Sie sind fast ausnahmslos Parasiten, die ihr Gelege in den Eiern anderer Insekten unterbringen, wo sich ihr Nachwuchs an der ihn umgebenden Larve verköstigt. Dabei bevorzugen sie insbesondere Wanzen, Zikaden und Pflanzenläuse.

Wie Kikiki huna, dem mit einer Länge von 158 Mikrometer kleinsten Vertreter der Eierschlupfwespen, besitzt Tinkerbella nana gestielte und stark bewimperte Flügel, bei deren Anblick man ihre Flugfähigkeit anzweifelt. Zwergwespenforscher glauben, dass diese zerfaserte Flügelstruktur dabei hilft, Turbulenzen auszugleichen. Denn mit ihrer geringen Größe sind sie keine guten Flieger und auf den Wind angewiesen - auch wenn ihre seltsamen Flügelchen mehrere hundert Mal in der Sekunde schlagen.

Journal of Hymenoptera Research 2013 10.3897/JHR.32.4663
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