Außergewöhnlicher Fund : Jungsteinzeitliche Busenwand

Schon im Neolithikum besaßen Künstler offenbar Liebe fürs Detail. Darauf lässt zumindest ein Wandbild schließen, das Frauen mit plastischen und fast lebensgroßen Brüsten zeigt.
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Archäologen und Restauratorinnen des Landesamtes für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart ist es gelungen, ein außergewöhnliches Wandbild aus der Jungsteinzeit zu rekonstruieren. Darauf zu sehen: Sieben Frauengestalten mit erhobenen Händen und plastisch geformten, beinahe lebensgroßen Brüsten. Das insgesamt sieben Meter lange Werk befand sich auf der Innenwand eines Pfahlbauhauses, das vor fast 6000 Jahren im Bodensee versank. Vermutlich erfüllte das Gebäude einen speziellen rituellen Zweck, glauben die Experten.

Archäologen zogen die Überreste der Malerei bereits zwischen 1990 und 1994 in einer Pfahlbausiedlung bei Bodman-Ludwigshafen im Rahmen mehrerer Tauchgänge aus dem Wasser; die Arbeit, die mehr als 2000 Einzelfragmente zu einem Bilderfries zusammenzufügen, dauerte aber bis heute an. Nach Angaben der Forscher handelt es sich bei der "Busenwand" um "die ältesten figuralen Wandmalereien nördlich der Alpen". Die Funde können ab April 2016 im Rahmen der Großen Landesausstellung Baden-Württemberg "4000 Jahre Pfahlbauten" besichtigt werden.