Bilder der Woche | 17.04.2013 | Drucken | Teilen

Mayakalender neu datiert

Judith Gor
Maya-Türsturz
© mit frdl. Gen. vom Museum der Kulturen
 Bild vergrößern Holzsturz ermöglicht genauere Datierung des Mayakalenders

Anhand des hier gezeigten, aufwändig verzierten Türsturzes konnte ein internationales Forscherteam um Douglas J. Kennett den Mayakalender neu datieren. Der mit kalendarischen Daten versehene Holzsturz stammt aus der Mayastadt Tikal in Guatemala und wurde bereits in den 1950ern per Radiokarbondatierung untersucht. Dies gelang damals nur relativ ungenau - doch neue Messtechniken in Kombination mit Wachstumsanalysen des Holzes ermöglichten jetzt eine präzisere Datierung.

Noch früher, schon 1905, hatte Joseph Goodman die Goodman-Martinez-Thompson (GMT)-Korrelation berechnet, die den Beginn des Mayakalenders auf das Jahr 3114 v. Chr. datiert. Seitdem wird das Resultat zwar kontrovers diskutiert, die Korrelation bietet allerdings die derzeit noch immer populärste und meist akzeptierte Methode zur Umrechnung des Mayakalenders in den weltweit verwendeten Gregorianischen Kalender dar.

Kennetts Ergebnisse am Holzsturz bestätigen nun Goodmans Ansatz: Die Forscher justierten ihre Messungen mit den Wachstumsdaten des verwendeten Breiapfelbaums. Mit dieser Kalibrierung konnte das Forscherteam die Entstehung der Schnitzereien auf die Jahre 658-696 datieren. Laut GTM-Korrelation wurde der auf dem Holzsturz verewigte Sieg des Mayakönigs Jasaw Chan K'awill von Tikal über seinen Widersacher Yuknoom Yich'aak K'ahk' von Calakmul, der "Klaue des Feuers", im Jahr 695 errungen. Dass die aus den neuen Messungen ermittelten Daten etwas früher ansetzen, erklärt Kennett damit, dass das außergewöhnlich harte Holz vielleicht nach dem Schlagen erst mehrere Jahre gelagert wurde und die aufwändigen Schnitzereien viel Zeit gekostet haben. Derzeit wird der Maya-Türsturz übrigens im Museum der Kulturen in Basel aufbewahrt.

Laut Kennet lässt sich mit dieser neuen Umrechnung der Mayakalender wesentlich besser mit Klima- und Umweltdaten abgleichen. Letztere sind für ihn besonders interessant, da er klimatische Veränderungen als entscheidend für den Untergang der Mayakultur einschätzt.

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