Luftverschmutzung: Verrußte Federn

In früheren Zeiten konnte man die Luft fast schneiden - so schmutzig war sie. Welche Ausmaße das annehmen konnte, belegen ausgestopfte Vögel im Museum.
von
Ohrenlerchen - links mit Ruß verschmutzte, rechts heutige Exemplare
© Carl Fuldner and Shane DuBay, The University of Chicago and The Field Museum
(Ausschnitt)
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Ohrenlerchen (Eremophila alpestris) besitzen eigentlich eine leuchtend gelbe Kehle und einen hellen Bauch. Doch vor mehr als 100 Jahren war es nicht weit her mit strahlend hellem Gefieder: Schmutziggrau bis fast schwarz präsentierten sich die Vögel, als sie erlegt wurden und in die Sammlungen der Museen gelangten. Heute stellen sie einen kleinen Schatz dar, denn mit Hilfe des Gefieders können Shane DuBay von der University of Chicago und sein Team Rückschlüsse auf die Luftverschmutzung der letzten 135 Jahre ziehen. Ruß ist dafür verantwortlich, dass die Vögel so ergraut sind. Die Partikel entstanden, als in großem Stil Kohle verfeuert wurde und sich in der Landschaft ebenso niederschlug wie im Gefieder der Tiere. Herausgekommen ist eine Geschichte der Kohleverbrennung, die auch die Forscher überraschte. So war die Luft rund um die Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert noch dreckiger als vermutet, was die Lerchen intensiv schwärzte. Während der Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren wurden die Vögel sauberer, weil die Industrie daniederlag und darum die Kohleverfeuerung abnahm. Im Zweiten Weltkrieg wiederum trübten sich Luft und Federn erneut ein: Die Kriegsindustrie stand unter vollem Dampf. In den Jahrzehnten danach nahm die Verschmutzung dagegen fast stetig ab - schärferen Gesetzen zur Luftreinhaltung und alternativen Brennstoffen sei Dank. Heutige Ohrenlerchen sehen deshalb meist so aus, wie es die Evolution vorgesehen hat.