Auf den ersten Blick scheinen Quanteneffekte und lebende Organismen zu ganz unterschiedlichen Fächern zu gehören: Erstere lassen sich zumeist nur auf der Skala von Nanometern beobachten, in einem Hochvakuum bei extrem tiefen Temperaturen in einer hochgradig kontrollierten Laborumgebung. Letztere dagegen bevölkern die makroskopische Welt, die warm, unordentlich und alles andere als kontrolliert ist. Ein Quantenphänomen wie die "Kohärenz", bei der die Wellenfunktionen aller Teile eines Systems in einer festen Beziehung zueinander stehen, könnte im turbulenten Reich der Zellen keine Mikrosekunde überleben. So dachte man zumindest. Doch in den vergangenen Jahren haben neue Entdeckungen erste Hinweise darauf geliefert, dass die Natur ein paar Tricks kennt, die den Physikern unbekannt waren: Kohärente Prozesse könnten in der Umwelt sehr wohl allgegenwärtig sein. Bekannte oder vermutete Beispiele reichen von der Fähigkeit der Vögel, mithilfe des Erdmagnetfelds zu navigieren, bis zu den inneren Abläufen der Fotosynthese. Die Biologie habe den Dreh heraus, zu nutzen, was funktioniert, erklärt Seth Lloyd, Physiker am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge. Und wenn es sich dabei um "Quantentricks handelt", so Lloyd, "dann werden eben Quantentricks verwendet." Manche Forscher reden sogar von einer neuen Disziplin: der Quantenbiologie. Sie argumentieren, Quanteneffekte seien zwar seltene, aber lebenswichtige Bestandteile, mit denen natürliche Systeme funktionieren. Und an praktischen Anwendungen interessierte...