Meine Lieblingsbeschäftigung ist, Moleküle auszuhecken, die es (noch) nicht gibt. Mit der bloßen Vorstellungskraft aus dem Bausatz der Atome neue Kombinationen und Konfigurationen zu ersinnen, finde ich faszinierend. Man kann das spielerisch oder sogar halb träumerisch tun – wie einst Friedrich August Kekulé (1829 – 1896), dem nach eigener Aussage die zyklische Struktur von Benzol einfiel, als er gedankenverloren über das Symbol des Ouroboros sinnierte: der Schlange, die sich in den Schwanz beißt.
Aber gibt es nicht schon genügend Moleküle – natürliche wie synthetische – in der großen weiten Welt? Warum soll man sich überhaupt noch neue ausdenken? Wichtige Gründe sprechen meines Erachtens dafür
Roald Hoffmann ist emeritierter Frank H. T.
Rhodes Professor of Humane Letters an der
Cornell University in Ithaca (New York) und
Träger des Chemie-Nobelpreises 1981. Von seinen literarischen Neigungen zeugt unter anderem das von ihm und
Carl Djerassi verfasste Theaterstück "Oxygen".
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