»Keine Wissenschaft imponiert der Menge so sehr wie die Astronomie« – diesem Ausspruch Schopenhauers zum Trotz hat sie kaum Platz in unserem Bildungssystem.

Die Astronomie war in den neuen Bundesländern aus alter Tradition ein wichtiges Schulfach, und ist es zum Teil noch heute. Eine solche Einrichtung lässt sich mühelos mit dem hohen Bildungswert dieses Faches begründen. Es stärkt das Bewusstsein der Schüler für den eigenen Standort in der Welt und vermittelt wesentliche Einblicke in die jahrhundertelange Entwicklung unserer Kultur. Zugleich regt es ihr Interesse für das aktuellste physikalische Denken und Handeln in idealer Weise an und dient der Vernetzung der oft künstlich voneinander getrennten naturwissenschaftlichen Fächer.

Doch das Sächsische Kultusministerium schaltet in den Rückwärtsgang. »Zwecks Angleichung sächsischer Lehrpläne an jene der Mehrzahl der Bundesländer« soll das Fach aus den Stundentafeln entfernt und ein Teil seiner Inhalte auf andere Fächer verstreut werden.

Dabei liegen – nicht nur in Sachsen oder in den übrigen Bundesländern – hinreichende Erfahrungen und qualifizierte Gutachten vor, welche die Attraktivität dieses Faches und seine vielseitigen Möglichkeiten attestieren. In vielen europäischen Ländern, von Finnland bis Frankreich, ist man dabei, der Astronomie in den Schulen mehr Gewicht als bisher zu verschaffen. Im Gegensatz zu diesem europäischen Trend (der zum Beispiel auch in Baden-Württemberg bei der Ausgestaltung des neuen Faches »Naturwissenschaft und Technik« für die Klassen 8 bis 10 im naturwissenschaftlichen Zweig des Gymnasiums wirksam ist) will man im ansonsten so modernen Sachsen astronomische Bildung reduzieren. Die sächsische Initiative ProAstro-Sachsen (www.ProAstro-Sachsen.de) engagiert sich unter Federführung von Lutz Clausnitzer mit großem Einsatz, um den Abbau des sächsischen Vorsprungs durch den eigenen Kultusminister zu bremsen. Dabei wird sie durch die Fachwelt unterstützt: Mehr als hundert Professoren aus allen Teilen Deutschlands und darüber hinaus unterzeichneten einen offenen »Professorenbrief« an den sächsischen Landtag.

Der dringende Appell enthält gewichtige und qualifizierte Argumente, die jedermann bedenklich stimmen, der an der naturwissenschaftlichen Bildung unserer Jugend ernsthaft interessiert ist. Der administrative Eingriff des Kultusministeriums provozierte zahlreiche Protestschreiben und Gutachten, von denen die Initiative einige auswählen und gemeinsam mit dem Professorenbrief auch anderen Landtagen und einigen Bundesgremien zuschicken will, um auch dort ein Nachdenken über die naturwissenschaftliche Ausbildung an unseren Schulen anzuregen.
Jakob Staude