"Früher war die Zukunft auch besser." Wir können dieses Bonmot von Karl Valentin humoristisch nehmen – oder als Anregung für die geschichtswissenschaftliche Fragestellung, wie sich frühere Gesellschaften ihre Zukunft vorgestellt haben. Der Ansatz erscheint zunächst befremdlich. Wie soll ein Phänomen, das noch gar nicht eingetreten ist, zum Gegenstand einer historischen Frage gemacht werden? Durch die Untersuchung der Zukunftsmodelle vergangener Zeiten, wie sie uns in geschichtlichen Überlieferungen zur Verfügung stehen. Dabei zeigt sich, dass Karl Valentin in gewisser Weise durchaus Recht hatte: Die Zukunftsvorstellungen waren lange Zeit grundsätzlich anders als heute – wenn auch nicht unbedingt besser.

Einen Blick auf kommende Zeiten zu erhaschen oder gar eine Reise dorthin zu unternehmen, ist ein alter Menschheitstraum. Viele möchten wissen, was die Zukunft für sie bereithält. Moderne Visionen dieses Wunsches, wie in H. G. Wells’ Roman »The Time Machine« (1895) oder in Robert Zemeckis’ Film »Back to the Future« (1985), sind dabei eigentlich einer mittelalterlichen Vorstellung verpflichtet. Sie folgen der Idee, dass die Zukunft ein vorbestimmter Korridor ist, der zeitlich vor uns liegt und den wir mit den entsprechenden technischen Möglichkeiten »durchreisen« könnten.

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