Das kopernikanische Prinzip und das Überleben der Menschheit
Wird es in zehn Millionen Jahren noch Menschen geben? Wahrscheinlich nicht, (J. Richard) Gott weiß es - mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit von 5 Prozent.
Inzwischen wissen wir, daß die Sonne ein durchschnittlicher Stern durchschnittlichen Alters in einer durchschnittlichen Galaxie ist. Es ist eine gute Arbeitshypothese, bis zum Beweis des Gegenteils anzunehmen, an unserer Position im Weltall sei auch sonst nichts Besonderes. Daraus folgt zum Beispiel, daß das Universum, von uns aus gesehen, im Großen homogen und isotrop ist, was kürzlich durch die Messungen der kosmischen Hintergrundstrahlung eindrucksvoll bestätigt wurde.
J. Richard Gott, Astrophysiker an der Universität Princeton (New Jersey) und durch unkonventionelle Ideen zu Zeitmaschinen bekannt geworden (Spektrum der Wissenschaft, August 1992, Seite 28), hat nun dieses Prinzip formalisiert und in bisher ungewohnten Kontexten angewandt. In einem als "Hypothesis" gekennzeichneten Artikel in "Nature" (27. Mai 1993, Seite 315) formuliert er das "kopernikanische anthropische Prinzip": Der Ort im Universum, an dem Sie, verehrter Leser, leben, und der Zeitpunkt Ihrer Geburt sind nur durch die Tatsache ausgezeichnet, daß Sie ein intelligenter Beobachter sind. Wenn Sie nichts weiter wissen als das, "sollten Sie sich auf den Standpunkt stellen, Sie seien aus der Menge aller (vergangenen, gegenwärtigen und künftigen) Beobachter nach dem Zufallsprinzip ausgewählt worden; Sie könnten irgendeiner von ihnen sein".
Ein Beispiel: Gott sah


Dr. Christoph Pöppe ist
Redakteur bei Spektrum
der Wissenschaft.
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