Die Europäische Südsternwarte (ESO) mit ihrem Hauptsitz in Garching bei München betreibt seit nunmehr über 30 Jahren auf dem chilenischen Berg La Silla ein Observatorium mit mehreren modernen Großteleskopen. Damit wurde europäischen Astronomen nicht nur der bis dahin relativ wenig erforschte Südhimmel zugänglich, sondern die exzellente Ausstattung der Sternwarte und die hervorragenden klimatischen Bedingungen erlaubten auch den Anschluß an die internationale Spitzenforschung.

Der erfolgreiche Betrieb des La-Silla-Observatoriums und die damit gewonnenen Erfahrungen ließen bald Pläne für ein noch ehrgeizigeres Projekt reifen. Im Dezember 1987 beschloß der ESO-Rat den Bau des Very Large Telescopes (VLT), das eine der leistungsfähigsten Beobachtungsstationen der Erde werden sollte.

Die chilenische Regierung stellte der ESO für dieses Projekt 725 Quadratkilometer Land um den Cerro Paranal zur Verfügung. Dieser 2635 Meter hohe Berg ist zwar nur 12 Kilometer von der Pazifikküste entfernt, liegt aber inmitten der Atacama-Wüste, die zu den trockensten Regionen der Welt zählt. Die Beobachtungsbedingungen sind dort noch besser als auf Silla, und es dürfte schwer sein, südlich des Äquators einen noch günstigeren Standort zu finden: An etwa 350 Tagen im Jahr ist der Himmel wolkenlos; die Luftunruhe, die das Auflösungsvermögen der Teleskope begrenzt, ist sehr gering, und der niedrige Wasserdampfgehalt der Atmosphäre erlaubt sogar Beobachtungen im infraroten Bereich des elektromagnetischen Spektrums.

Im Jahre 1992 wurde bei den Schott Glaswerken in Mainz der erste Spiegelrohling gegossen, nachdem zuvor ein völlig neues Herstellungsverfahren entwickelt worden war. Nach einer mehrjährigen Abkühl-, Schleif- und Polierphase wurde er 1998 nach Chile verschifft, dort mit einer hochreflektierenden Aluminiumschicht bedampft und im ersten der sogenannten Unit Telescopes (UT) installiert. Bis zum Jahre 2001 sollen alle vier …