Der Erreger des Magengeschwürs
Mindestens ein Drittel der Weltbevölkerung ist mit einem Bakterium infiziert, das im Magen und Zwölffingerdarm eine chronische Schleimhautentzündung verursacht. Die Ulkuskrankheit, bei der sich immer neue Geschwüre bilden, und wohl sogar Krebs können die Folge sein.
Nach Warrens Beobachtungen kamen die Bakterien lediglich auf entzündetem Gewebe vor. Bestand da etwa ein Zusammenhang?
Als er die wissenschaftliche Literatur daraufhin durchsah, stieß er auf Arbeiten vom Beginn dieses Jahrhunderts. Damals bereits hatten deutsche Wissenschaftler derartige Keime aufgespürt, konnten sie allerdings nicht kultivieren; so wurde der Befund nicht weiter beachtet und geriet in Vergessenheit.
Auch Warren und seinem engagierten jungen Mitarbeiter Barry J. Marshall gelang die Zucht nicht gleich. Nach monatelangen Fehlversuchen mit Biopsiematerial von mehr als 30 Patienten half der Zufall: Vor dem Osterwochenende 1982 vergaßen die Laboranten einige Kulturplatten mit Ausstrichen zu entsorgen, und nach fünf anstatt wie gewöhnlich zwei Tagen waren Bakterienkolonien zu erkennen. Die Entdecker tauften den Mikroorganismus Campylobacter pyloridis nach einer Gattung ihm ähnelnder pathogener Keime, von denen manche fiebrige Darmentzündungen bei Tieren und auch beim Menschen verursachen, sowie nach dem Fachbegriff Pylorus für den Magenpförtner.
Warren und Marshall publizierten ihre Befunde Anfang 1983 – und wenige Monate später hatte man die krummen, ungefähr drei tausendstel Millimeter langen Mikroben überall auf der Welt isoliert. Genauere Untersuchungen ergaben zwar, daß sie nicht zur Gattung Campylobacter gehören; deswegen gab man ihnen den neuen Namen Helicobacter pylori. Warren hatte aber ansonsten richtig vermutet: Sie treten sehr häufig bei einer hartnäc

Martin J. Blaser ist seit 1989 Inhaber der Addison-B.-Scoville-Professur für Medizin und Direktor der Abteilung für Infektionskrankheiten an der Vanderbilt-Universität in Nashville (Tennessee) sowie dem dortigen Medizinischen Veteranen-Zentrum. Studiert hatte er zunächst Wirtschaftswissenschaften, promovierte dann aber 1973 in Medizin an der Universität New York. Er war vor seiner Berufung nach Nashville an der Rockefeller-Universität in New York, an der Universität von Colorado in Denver und bei einer Reihe weiterer medizinischer und administrativer Einrichtungen der Vereinigten Staaten tätig und arbeitete eine Zeitlang am Sankt-Paul-Krankenhaus in Addis Abeba (Äthiopien).
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