Quastenflosser sind immer wieder für Sensationen gut. Lange kannte man sie nur aus Versteinerungen und glaubte, sie seien zusammen mit den Dinosauriern und vielen anderen Organismen am Ende des Erdmittelalters ausgestorben. Über Nacht wurde Latimeria chalumnae im Dezember 1938 vom Totgeglaubten zum Überlebenden aus einer anderen Zeit. Damals zogen Fischer das erste Exemplar des urigen Fisches aus der Tiefe vor der afrikanischen Küste ans Licht. Das Aufsehen hätte kaum größer sein können, wenn plötzlich unvermutet ein überlebender Velociraptor entdeckt worden wäre.

Zuletzt sorgte dieser lange Zeit fälschlich als "Urfisch" titulierte Meeresbewohner im Herbst 1998 für weltweites Aufsehen, als Fischern im Norden der indonesischen Insel Sulawesi (Celebes) – und damit rund 10000 Kilometer entfernt von seinem bis dahin einzig bekannten Verbreitungsgebiet rund um die Komoren – ein knapp 1,20 Meter langer und 30 Kilogramm schwerer Quastenflosser ins Netz ging.

Diese und weitere Stationen der wahrlich abenteuerlichen Entdeckungsgeschichte erzählt die britische Schriftstellerin und Journalistin Samantha Weinberg in ihrem eigenwilligen Buch (das zeitgleich zur englischen Originalausgabe erschienen ist) mit intimer Kenntnis der handelnden Personen. Fachbücher und -berichte zum Quastenflosser gibt es genug. Weinberg dagegen beschreibt, fesselnd wie in einem Roman, die menschliche Seite der Wissenschaft, das persönliche Schicksal, die Motive und Ideale von Forschern wie Marjorie Courtenay-Latimer, der einst die entscheidende Erstentdeckung gelang, wie Hans Fricke, der die ersten Beobachtungen lebender Quastenflosser machte, oder Mark Erdmann und seiner indonesischen Frau, die – erst zufällig, dann zielstrebig – den indonesischen rajah laut, den "König der Meere", aufspürten.

Auch diesem jüngsten Fund ging eine