Der Streit um die Neandertaler
Ob Neandertaler und frühmoderne Menschen sich in Europa einst genetisch vermischten, ist unter Wissenschaftlern umstritten. Auch die Kulturstufe der Neandertaler am Beginn der jüngeren Altsteinzeit ist Gegenstand heftiger Kontroversen.
Kate Wong
Einig sind sich Anthropologen über die Neandertaler nur in zwei Punkten: - Die stämmigen Hominiden trotzten 200000 Jahre lang in Europa und Westasien allen Fährnissen, selbst den kältesten Phasen der Eiszeit; - und heute gibt es diese Menschen nicht mehr.
Doch ihre Lebensart, ihre geistigen Fähigkeiten und vor allem ihr Schicksal sind in Fachkreisen äußerst umstritten.
Diese Kontroverse ist Teil des Disputs über die Herkunft des anatomisch modernen Menschen. In dieser Frage stehen sich, grob gesagt, zwei Lager gegenüber. Nach Auffassung der einen Seite entstand der moderne Mensch vor ungefähr 200000 Jahren in Afrika. Von dort breitete er sich später auf andere Kontinente aus – wo schon andere Hominiden lebten –, und er verdrängte schließlich weltweit alle archaischen Populationen, so in Europa den Neandertaler vor rund 30000 Jahren. Nach Ansicht der anderen Seite ist die Herkunft des modernen Menschen nicht so eindeutig. Vor allem verschwanden die archaischen Populationen nicht spurlos, sondern sie leisteten einen Beitrag zum Genpool des frühen modernen Menschen.
In dieser Auseinandersetzung nehmen die Neandertaler, als die bekanntesten archaischen Menschen, eine Schlüsselstellung ein. Mit Erkenntnissen über sie stehen und fallen viele der Argumente für das "Verdrängungsmodell" oder das "Vermischungsmodell". Die Wissenschaftler berühren bei diesen Forschungen ständig auch die Grenzfrage nach dem Menschsein selbst und nach unserer Einzigartigkeit. Gerade manche neueren Entdeckungen f&u

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