Wissenschaftlicher Disput soll zur Wahrheit führen. Doch zunächst erscheinen
die vielen widersprüchlichen Ergebnisse aus unzähligen Versuchen eher
verwirrend als erhellend. So verkünden einige Forscher, das biologische
Riesenmolekül DNA könne elektrischen Strom leiten, andere wollen das mit
ihren Experimenten widerlegt haben. Gleich vier Artikel zu dieser Streitfrage
sind in den letzten Wochen erschienen. Eine ganz vorsichtige Zwischenbilanz
könnte lauten: Zumindest im Vakuum oder über kurze Strecken ist die
DNA tatsächlich ein elektrischer Leiter, auch wenn bislang niemand weiß,
wie die Ladungen sich auf dem Strickleiter-ähnlichen Molekül fortbewegen.
Die erste Beobachtung, daß elektrischer Strom scheinbar durch
DNA-Moleküle
fließt, liegt rund vierzig Jahre zurück und entpuppte sich als Meßartefakt. In Wirklichkeit hatte der Strom den Weg durch Eispartikel neben der DNA genommen. Seit diesem Irrtum bemühen sich die Forscher, die Leitfähigkeit des Umgebungsmilieus herabzusetzen, in ihren Berechnungen wieder vom ermittelten Wert abzuziehen oder auf andere Weise zu berücksichtigen. Die dabei auftretenden Unsicherheiten bieten Kritikern vielerlei Ansatzpunkte, die Versuchsergebnisse zu bezweifeln.
In den meisten Experimenten geben die Wissenschaftler zu der DNA zwei verschiedene Chemikalien, die sich zwischen die
Basenpaare
des Biomoleküls lagern. Unmittelbar...
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