Von Zeit zu Zeit taucht ein bislang unüblicher Stamm Grippe-Erreger auf und breitet sich plötzlich und unaufhaltsam in der Bevölkerung aus. Praktisch niemand ist von früheren Erkrankungen her dagegen immun. Selbst geimpfte Personen sind gefährdet. Denn die vor jeder Grippesaison neu zusammengestellten Impfstoffe können nur vor den wenigen Varianten des wandlungsfähigen Virus schützen, die Experten eines Überwachungsnetzes als die vermutlich kommenden angesehen haben. Somit trifft ein neuartiger, unvorhersehbarer Influenza-Stamm kaum auf Widerstand und überrollt den Erdball mit einer Welle von Krankheit und Tod.

Die schlimmste verzeichnete Pandemie dieser Art wütete 1918 als "Spanische Grippe"; mehr als zwanzig Millionen Menschen fielen ihr zum Opfer, manche binnen Stunden nach dem Auftreten erster Symptome. 1957 grassierte die "Asiatische Grippe", 1968 die "Hongkong-Grippe" und 1977 die "Russische Grippe". (Diese vier großen Wellen wurden nach der Region ihres scheinbar ersten Auftretens benannt, gingen aber nach heutiger Erkenntnis alle von China aus – wie vermutlich auch die meisten anderen.)

Die nächste Pandemie, so warnen Gesundheitsexperten, könnte jederzeit ausbrechen und durchaus so bösartig verlaufen wie die von 1918. Als 1997 in Hongkong 18 Menschen an einer lebensgefährlichen Influenza-Variante erkrankten und sechs davon ihr schließlich erlagen, befürchteten die dortigen Behörden schon, dies sei der Beginn einer neuen Epidemie. Sie bekamen jedoch das Problem schnell in den Griff: Nachdem sich befallene Hühner, Enten und Gänse als Infektionsquelle herausgestellt hatten, wurde alles Geflügel Hongkongs getötet.

So glimpflich kommt die Menschheit nächstes Mal vielleicht nicht davon. Ein Grippe-Erreger von der Aggressivität des Hongkong-Stammes hätte auf unserem dicht bevölkerten Planeten leichtes Spiel: Bis ein Impfstoff für die noch Gesunden zur Verfügung stünde, könnte die Menschheit bereits um ein Drittel dezimiert sein, sei es unmitt