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News: Erschütterung am Kupfermarkt

Eine Katastrophe radierte vor 4700 Jahren in Jordanien ein blühendes Wirtschaftsunternehmen aus. Ein Glücksfall für heutige Archäologen - fanden sie doch hier die Überreste einer der größten Metall verarbeitenden Anlage aus der frühen Bronzezeit.
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Manches Unglück stellt für Archäologen ein großes Glück dar. So verdanken wir einen Großteil unserer Kenntnisse über das Leben und Treiben der Römer dem katastrophalen Vesuvausbruch des Jahres 79 nach Christus, der den eher unbedeutenden Ort Pompeji auslöschte. Ein ähnlich verhängnisvolles Ereignis, das sich allerdings drei Jahrtausende vorher ereignete, könnte unser Wissen über die Wirtschaftsstrukturen der frühen Bronzezeit im Vorderen Orient erheblich erweitern. Denn bei Khirbat Hamra Ifdan im jordanischen Bezirk Faynan, etwa 50 Kilometer südlich des Toten Meeres, förderte ein internationales Grabungsteam die Überreste eines industriellen Komplexes zutage, den vermutlich ein Erdbeben um das Jahr 2700 vor Christus zugrunde gerichtet hatte.

In dem Schutt gruben die Archäologen hunderte von Tonformen aus, mit denen die frühbronzezeitlichen Arbeiter einst Äxte, Meißel, Nadeln und Barren aus Kupfer gegossen hatten. Tausende von Steinhämmern, Ambossen, Schmelztiegeln sowie metallurgische Abfälle treten als weitere Zeugen für die damalige Industrie auf. "Dieser einzigartige Fund liefert uns einen bedeutsamen Einblick über die Rolle der Handwerksproduktion bei einer der frühesten städtischen Gesellschaften der Welt", betont Grabungsleiter Thomas Levy von der University of California in San Diego.

Die Kartierung der Grabungsstätte ergab einen Komplex aus etwa 70 Räumen, die über mehrere Gänge und Höfe miteinander verbunden waren. Die Metallverarbeitung lief demnach hoch organisiert ab und wurde vermutlich von spezialisierten Facharbeitern durchgeführt. Die Funde demonstrieren nach Ansicht von Russel Adams, ebenfalls von der University of California, dass "die Eliten der frühen Bronzezeit durchaus in der Lage waren, einen großen und technisch aufwändigen Verarbeitungsprozess zu organisieren, zu kontrollieren und durchzuführen". Der ganze Komplex, der in seiner Größe nur mit der Anlage von Kestrel im türkischen Taurusgebirge vergleichbar ist, war vermutlich Bestandteil eines Kupferhandelsnetzes, das sich über den gesamten Vorderen Orient erstreckte.

Die Wissenschaftler wollen die Grabungsstätte als ökotouristischen Park erschließen – eine schwierige Aufgabe angesichts der politischen Verhältnisse der Region. "Auch wenn das derzeitige politische Klima für einen Ökotourismus nicht gerade förderlich ist", betont Levy, "möchten wir dazu beitragen, die ökotouristische Infrastruktur für zukünftige Besucher in einer der wirtschaftlich ärmsten Regionen Jordaniens zu schaffen. Wir hoffen und beten für bessere Zeiten im Nahen Osten."

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