Genau wie die meisten anderen Wissenschaftler besuche ich hin und wieder Fachkonferenzen. So auch die Jahrestagung der Gesellschaft für Neurowissenschaften, einer weltweiten Vereinigung von Hirnforschern. Diese Veranstaltung gehört zu den wohl größten intellektuellen Herausforderungen, die man sich vorstellen kann. Rund 28000 Fachidioten wie ich quetschen sich in ein einziges Konferenzzentrum. Nach einer Weile kann einen diese Zusammenkunft in den Wahnsinn treiben: Eine ganze Woche lang stößt man in jedem beliebigen Restaurant, jedem Fahrstuhl oder jeder Toilette auf Leute, die in angeregte Diskussionen über Tintenfisch-Axone vertieft sind.

Kein bisschen angenehmer ist es, sich bei der eigentlichen wissenschaftlichen Veranstaltung zurechtzufinden. Ganze 14000 Vorträge und Posterpräsentationen werden bei der Tagung angeboten – ein absolut überwältigendes Informationsüberangebot. Viele Poster, die dir wichtig sind, bekommst du nicht einmal zu sehen, weil dir die enthusiastische Menschenmasse davor die Sicht versperrt. Die eine Präsentation ist in einer Sprache gehalten, die du nicht einmal kennst, und die nächste stellt unvermeidlich jedes einzelne Experiment vor, das du selbst für die nächsten fünf Jahre geplant hast. Und über all dem schwebt die gemeinsame Erkenntnis, dass – obwohl Myriaden Hirnforscher sich abmühen – wir noch immer nicht den leisesten Schimmer haben, wie das Gehirn funktioniert. An meinen absoluten Tiefpunkt gelangte ich bei der letzten Konferenz, als ich an einem Nachmittag – erschlagen von der Informationsflut und frustriert vom Gefühl allgemeiner Unwissenheit – auf der Treppe vor dem Konferenzzentrum saß. Ich starrte in eine trübe Pfütze im Rinnstein und mir wurde klar, dass das darin wimmelnde mikroskopisch kleine Geziefer wahrscheinlich mehr über das Gehirn weiß als alle Neurowissenschaftler zusammen.

Meine zerknirschte Einsicht lässt sich auf eine unlängst publizierte, ganz hervorragende wissenschaftliche Arbeit zurück