Bei seinem Aufenthalt in Südafrika vor 155 Jahren wurde der britische Astronom John F. Herschel (1792 bis 1871) Zeuge einer ungewöhnlichen Himmelserscheinung: Ein unauffälliges, mit bloßem Auge nicht erkennbares Objekt im Sternbild Carina ("Kiel des Schiffes") flammte plötzlich auf und wurde innerhalb weniger Tage mit einer Größenklasse von etwa -1 zum zweithellsten Stern am Himmel nach Sirius. (Die Größenklasse ist proportional zum negativen Logarithmus der relativen optischen Helligkeit eines Himmelskörpers; je niedriger ihr Wert, desto heller erscheint das Objekt im sichtbaren Spektralbereich.) Seither hat Eta Carinae, wie der knapp 8000 Lichtjahre entfernte Stern nach astronomischer Konvention genannt wurde, Generationen von Himmelsforschern fasziniert und irritiert. Wegen seiner Position am Südhimmel ist er in unseren geographischen Breiten allerdings nicht zu sehen.
Nach dem spektakulären Aufglühen fiel die Helligkeit des Objekts zunächst kontinuierlich bis etwa auf die Größenklasse 8 ab. Doch seit rund 100 Jahren nimmt sie allmählich wieder zu und hat mittlerweile ungefähr die Größenklasse 6 erreicht. Außerdem ist Eta Carinae heute von einem Nebel umgeben, dessen Ausdehnung und Expansionsgeschwindigkeit von etwa 500 Kilometern pro Sekunde darauf hindeuten, daß sein Material überwiegend beim großen Ausbruch von 1843 abgestoßen wurde. Wie sich dem von Emissionslinien geprägten Spektrum entnehmen läßt, scheinen auch heute noch größere Materiemengen in Form eines Windes von dem Stern abzuströmen.
Der innere Nebel, der auch als "Homunculus" bekannt ist, weil seine Kontur an ein kleines Männchen erinnert (Bild 1), enthält große Mengen Staub. Dieser verschluckt den Hauptteil des vom Stern ausgestrahlten sichtbaren und ultravioletten Lichts, gibt die aufgenommene Energie allerdings im Infrarotbereich als Wärmestrahlung wieder ab. Deshalb ist Eta Carinae bei einer Wellenlänge von 20 Mikrometern (tausendstel Millimetern) das hellste Objekt am Himmel außerhalb uns