Geschachtelte Fullerene
Durch Beschuß von Ruß mit intensiven Elektronenstrahlen lassen sich kugelartige Moleküle aus ineinandergeschachtelten Kohlenstoff-Käfigen erzeugen. Möglicherweise sind die zwiebelartigen Schalen mit einem Cluster aus 60 Kohlenstoffatomen im Zentrum in kleinen Systemen sogar stabiler als die ebenen Schichten von Graphit, der bisher als energieärmste Kohlenstoff-Modifikation unter Normalbedingungen galt.
Wenn die Graphit-Schichten nur einige hundert (oder weniger) der hexagonal angeordneten Kohlenstoffatome enthalten, sind sie wegen der freien Bindungen am Rand instabil. Durch Bildung geschlossener sphäroidaler Strukturen lassen sich diese ungenutzten Valenzen absättigen, und es entstehen Käfigmoleküle wie das inzwischen weithin bekannte Buckminsterfulleren aus 60 Kohlenstoffatomen (bei dem 12 Fünfecke in die Sechsringe eingeschlossen sind) oder auch größere Fullerene mit bis zu mehreren hundert Atomen. Außerdem können sich sogenannte Nanoröhren aus gekrümmten Graphitschichten mit Durchmessern von einigen Nanometern (millionstel Millimetern) bilden.
Solche Röhren hat Sumio Iijima von den Forschungslaboratorien der japanischen Firma NEC in Tsukuba erstmals 1991 im elektrischen Lichtbogen mit einer der Fulleren-Synthese ähnlichen Methode hergestellt. Wie sich im Elektronenmikroskop zeigte, bestehen sie aus zwei bis etwa 50 konzentrischen Kohlenstoffzylindern. Die Synthese der Hohlnadeln mit Durchmessern bis zu einigen Dutzend Nanometern bot einen Zugang zu Kohlenstoff-Strukturen, deren Abmessunge

Dr. habil. Georg Wolschin ist Physiker und Wissenschaftsjournalist; er forscht in theoretischer Physik und lehrt an der Universität Heidelberg.
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