Wie bei Digitalkameras dient auch hier ein zentimetergroßer Silikonchip, das CCD (»Charge-Coupled Device«), zur Aufnahme der Bilder. Ein CCD ist weitaus lichtempfindlicher als die Silberkörner auf herkömmlichen Filmen. Allerdings begrenzt der elektronische Verschluss eines Camcorders die Belichtungszeit normalerweise auf 1/60 Sekunde oder auf noch kürzere Zeiten, anders als bei herkömmlichen Kameras. Nur die hellsten astronomischen Objekte bieten sich daher als geeignete Ziele für einen Camcorder an: der Mond, die Planeten und die Sonne (bei letzterer ist jedoch größte Vorsicht angebracht, verwenden Sie in jedem Falle geeignete Filter!). Andererseits haben kurze Belichtungszeiten auch einen Vorteil: Sie vermeiden viele Unschärfen, die die Erdatmosphäre hervorruft. Videoaufzeichnungen halten also mühelos auch jene Details fest, die nur während der kurzen Momente des, wie Astronomen sagen, »guten Seeings« sichtbar sind.
Den Mond im Visier
Das größte und hellste Objekt am nächtlichen Himmel ist der Mond. Er ist mit Sicherheit das ideale Ziel für Ihren ersten Ausflug in die Welt des astronomischen Filmens. Selbst die billigsten Camcorder, kombiniert mit einem gewöhnlichen Amateurteleskop, können aufregende Mondsequenzen aufnehmen: Berge, hoch über düsteren Ebenen aus gefrorener Lava thronend, werfen ihre Schatten auf die Mondoberfläche, und Kraterränder erstrahlen von einem Augenblick auf den anderen im ersten Morgenlicht der Sonne.
Stellen Sie dann die Brennweite Ihres Kameraobjektivs manuell auf unendlich ein. Falls Ihr Camcorder über einen Autofokus verfügt: Schalten Sie ihn besser ab, es kann sonst passieren, dass Ihr Gerät zwischendurch ungewollt neu zu fokussieren versucht. Nähern Sie Ihren Camcorder nun vorsichtig dem Okular. Achten Sie darauf, dass sich das Objektiv der Kamera in einer Linie mit dem Okular befindet, und halten Sie Ihren Camcorder zentriert und parallel zum austretenden Lichtbündel. Um Erschütterungen des Teleskops zu vermeiden, darf die Kamera das Teleskop nicht berühren. Keine Sorge: Ein kleiner Abstand zwischen der Camcorderlinse und dem Okular des Teleskops beeinflusst die Bildqualität nicht, sofern Sie seitliches Streulicht abschirmen.
Falls das Bild im Sucher der Kamera unscharf erscheint, drehen Sie leicht an der Fokussierschraube des Fernrohres, bis Sie die lunare Landschaft gestochen scharf sehen. Je nach Okular und Objektiv kann der hell erleuchtete Mond von einem verschwommenen schwarzen Kreis umgeben sein. Da das Bild ohnehin das ganze Gesichtsfeld ausfüllen soll, ändern Sie einfach die Zoomeinstellung des Camcorders, bis diese so genannte »Vignettierung« verschwindet. Die Zoom-Funktion ist auch eine bequeme Art, die Bildvergrößerung zu erhöhen, ohne das Teleskopokular anders einzustellen.
Experimentieren Sie mit den Einstellungen für Zoom und Belichtungszeit, bis Sie einen akzeptablen Kompromiss zwischen Vergrößerung und Bildhelligkeit gefunden haben. Denn je stärker Sie das Bild vergrößern, desto dunkler wird es. Solche Bilder haben ein niedriges Signal-zu-
Falls Ihr Camcorder über einen Digitalzoom verfügt, sollten Sie der Versuchung widerstehen, ihn zu benutzen. Denn dann wird offensichtlich, dass Ihr »Film«, nämlich die Bildpunkte des CCD, eben doch eine begrenzte Auflösung hat – der Film könnte »pixelig« oder »gewürfelt« erscheinen. Für die afokale Aufnahmetechnik ist die mit dem optischen Zoom erzielbare Vergrößerung sicherlich ausreichend.
Haben Sie erst einmal beim Filmen des Monds Ihre Fertigkeiten geschult, können Sie sich an die Planeten wagen. Die zu- und abnehmenden Phasen der Venus, das jahreszeitliche An- und Abschwellen der Polkappen auf Mars, die sich fortwährend ändernden Wolkenstrukturen auf Jupiter, der Lauf der Galilei'schen Monde und Saturns prächtiges Ringsystem – all dies lässt sich mit Teleskop und Camcorder hervorragend einfangen.
Sind die ersten Aufnahmen im Kasten, werden Sie es wahrscheinlich ziemlich schnell satt haben, die Kamera mit der Hand an das Teleskopokular zu halten. Versuchen Sie statt dessen doch einmal, Ihren Camcorder auf ein gewöhnliches Kamerastativ zu setzen. Zwar ist er dann fest montiert, während das Teleskop dem Lauf der Gestirne nachgeführt wird, doch die Bewegung des Okulars ist häufig zu vernachlässigen, zumindest für kleine, äquatorial montierte Linsenteleskope und kompakte, katadioptrische Teleskope wie Schmidt-
Für größere Linsenfernrohre und für Newton-
Haben Sie es einmal geschafft, Ihren Camcorder am Teleskop festzuklemmen, bleibt Ihnen noch ein Gewichtsproblem. Trotz enormer Fortschritte bei der Miniaturisierung wiegen Camcorder, Sucher und Batterien leicht einige Pfund. Damit Ihrem Teleskop die Last der High-Tech-Gerätschaft nicht zu groß wird, müssen Sie es mit Gegengewichten sorgfältig ausbalancieren. Auch hierfür gibt es eine praktische Lösung. Viele Amateure bringen mit Hilfe eines Klettbandes einfach ein Fußgelenkgewicht, wie es für Jogger in jedem Sportgeschäft erhältlich ist, vorne am Teleskop an.
Ist der Camcorder endlich auf einem Stativ oder direkt am Teleskop angebracht, haben Sie die Hände frei. Dann können sie mit Hilfe der Fernbedienung des Camcorders (bei den meisten Geräten gehört sie zur Grundausstattung) Zoomfaktor und Belichtungszeit ändern, ohne die Kamera mit den Händen zu berühren und so das hochvergrößerte Bild zu verwackeln.
Ein Videofilm gibt Ihnen das Gefühl, unmittelbar dabei zu sein, wenn die Himmelskörper ihre Bahnen ziehen. Und dennoch: Früher oder später werden Sie Ihre Videoszenen auch am Computer bearbeiten wollen. Moderne Kameras lassen sich zu diesem Zweck mit so genannten FireWire-
Aber auch für ältere Geräte ohne Spezialausrüstung gibt es eine einfache und überraschend effektive Methode, um die besten Szenen Ihres Videofilms zu Papier zu bringen: Während der Film läuft, fotografieren Sie einfach den Bildschirm Ihres Fernsehers ab. Zu diesem Zweck sollten Sie allerdings nicht die Standbild-
Perfektes Seeing dank Camcorder
Der Schlüssel zum Erfolg bei der Videoastronomie besteht in der Auswahl der besten Filmsequenzen. Am besten, Sie nehmen sich erst einmal etwas Zeit bei der Suche nach den kurzen Intervallen, in denen das Seeing während der Aufnahme möglichst gut und stabil war – übrigens eine ideale Beschäftigung für bewölkte Abende.
Die hier vorgestellten einfachen Verfahren verschaffen Ihnen einen enormen Vorteil gegenüber einem Fotografen. Denn dieser fotografiert, um feine Details der Planeten zu erhaschen, auf herkömmliche Weise mit einem Fotoapparat durch das Fernrohr hindurch, muss dabei aber relativ lange Belichtungszeiten in Kauf nehmen. Um etwa die Strukturen in den Wolkengürteln Jupiters auf einen feinkörnigen Film zu bannen, muss er zwei bis drei Sekunden lang belichten. Der entferntere, schwächere Saturn braucht sogar Belichtungszeiten von vier bis acht Sekunden. Die turbulente Erdatmosphäre begrenzt jedoch die Dauer, in der ein Bild perfekt scharf gesehen werden kann, auf den Bruchteil einer Sekunde. Mit Hilfe Ihres Camcorders können Sie genau diesen Moment fest halten, während der Fotograf ihn wahrscheinlich verpasst. Während professionelle Astronomen kleine Vermögen investieren, um »adaptive Optiksysteme« zur Kompensation des atmosphärischen Seeings an ihren Teleskopen zu installieren, ist der Camcorder als preiswerte Alternative ein unschlagbares Handwerkszeug!
Atmosphärische Turbulenzen werden Ihnen dennoch manches Bild verderben. Am Computer können Sie sich jedoch die besten heraus suchen oder die Bildkonturen verbessern, indem Sie mehrere Einzelbilder (»frames«) überlagern. Wenn Sie auf digitale Technik verzichten und stattdessen Ihren Fernsehschirm abfotografieren, brauchen sie allerdings etwas Glück, um genau im richtigen Augenblick auszulösen. Doch Sie können ja problemlos zurück spulen: Wenn Sie vier oder fünf Bilder machen, ist eines davon mit Sicherheit scharf.
















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