Norbert Treitz
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Für Norbert Treitz war Physik nicht unbedingt das, was unter diesem Namen im Schulbuch steht. Er hatte nicht nur die (inzwischen allgemein üblichen) Vorbehalte gegen den Begriff der Zentrifugalkraft, sondern wusste auch zu "Kraft" allgemein, zu "Druck" und einigen anderen Begriffen unkonventionelle Gedanken beizusteuern. In seiner aktiven Zeit als Professor für Didaktik der Physik in Duisburg hat er seine Ideen vielen Generationen von Studenten vermittelt und unter dem Titel "Brücke zur Physik" in ein Buch gefasst.

Immer wieder aufs Neue faszinierend war seine Fähigkeit – und unermüdliche Bereitschaft –, zwischen den scheinbar entlegensten Ideen Fäden zu ziehen. Ich selbst habe das als Redakteur seiner "Physikalischen Unterhaltungen" heftig zu spüren bekommen, wenn seine Manuskripte vor lauter Abschweifungen den roten Faden nicht mehr erkennen ließen – und es eben trotzdem in jedem Einzelfall wehtat, eine Abschweifung zu streichen: Sie waren ja alle interessant und anregend. Oder wenn es ihm ein dringendes Bedürfnis war, mir die schönen Nebensachen, wenn er sie schon gar nicht erst ins Manuskript schrieb, wenigstens am Telefon zu erzählen.

Wichtig war ihm auch, seine Wissenschaft mit haushaltsüblichen Mitteln zu betreiben. Physik sollte eben nicht das Privileg der Leute sein, die über riesengroßes und teures Experimentiergerät verfügen. Und so demonstrierte er wesentliche Dinge mit Trinkhalmen, Bindfäden, Wurststäbchen, Spielzeugplättchen zum Zusammenklicken und den gelochten Blechstreifen aus dem Märklin-Metallbaukasten. Vor Jahren konnten Besucher einer Ausstellung im Gießener Mathematikum etliche seiner Werke bewundern.

Und dann gab es noch ein Sammelsurium netter kleiner Ideen, die es nicht in ein Buch oder eine "Physikalische Unterhaltung" geschafft hatten. Aus ihnen – und etlichen anderen Zutaten – ist die Sammlung der "Treitz-Rätsel" hervorgegangen, die wir im Moment eins nach dem anderen aufbereiten und veröffentlichen. Zu der groß angelegten Systematik, mit der er seine Perlensammlung versehen wollte, ist er nicht mehr gekommen.