Ohnmacht des Wissens
Im Dezember publizierte ein internationales Forscherteam ihre Analysen über den möglichen Zeitpunkt der Aids-Infektion (Nature, 14.12.2006, S. 836). Sie analysierten Gene der Viren, die bei den Kindern gefunden wurden, und stellten eine Art Stammbaum her. Danach bestätigten sie, was auch schon 2003 die Aids-Forscher Luc Montagnier und Colizzi im Rahmen des zweiten Prozesses dargelegt hatten: Die fraglichen Viren waren schon lange vorher in dem Krankenhaus verbreitet. Mit acht verschiedenen Verfahren testeten sie ihre Hypothese. Die Erreger konnten demnach nicht später als im Frühjahr 1997 in das Krankenhaus gelangt sein, immer noch ein Jahr vor dem März 1998, an dem die Krankenschwestern ihre Arbeit aufnahmen.
Das sind harte, unbezweifelbare Fakten – doch die Gefangenen sind nur Geiseln. Da hat auch die Wissenschaft keine Chance. Es geht nicht um Wissenschaft, sondern um Erpressung: Nach Medienberichten soll gegen „Entschädigungszahlungen“ von zehn Millionen Euro pro Kind die libysche Justiz bereit sein, die Todesurteile neu zu verhandeln. Man kann nur hoffen, dass sich die EU, zu der seit 1. Januar 2007 auch Bulgarien zählt, wirksam um diesen bedrückenden Skandal kümmert.
Reinhard Breuer



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1. Menschen als Erpressung festgehalten...
22.01.2007, Wolfgang Bastian, LauterbachMeiner Auffassung nach hilft nur eines: Abbruch aller diplomatischen Beziehungen im politischen und im wirtschaftlichen Bereich. Totaler Boykott. Ausweisung aller libyschen Botschafts- und Konsularangehörigen. Abzug aller Vertretungen aus Libyen. Boykott aller Fluglinien, Postverkehr und Telefonverbindungen. Und vieles andere mehr.
2. Gesundheit und Macht
11.02.2007, Klaus Deistung, WismarKein Arzt und keine Schwester wird nach bestem Wissen und Gewissen hunderte Kinder anstecken wollen – weder zu Hause, noch im Ausland. In Entwicklungsländern ist teilweise selbst sauberes Wasser schon ein lösbares Problem.
In einem Fernsehbeitrag wurde festgestellt, dass die von Libyen geforderte Summe genau der entspricht, die sie selber vor Jahren im Lockerbie-Fall zu zahlen hatte.