Noch Ende des letzten Jahrhunderts konnte sich nicht einmal ein Visionär wie Jules Verne (1828 bis 1905) eine Stadt mit über einer Million Menschen vorstellen. Doch schon im Jahre 2010 wird es mehr als 500 solcher Ballungszentren geben – und in 26 von ihnen dürfte die Einwohnerzahl zehn Millionen übersteigen. Heute bereits leben erstmals in der Geschichte mehr Menschen in urbanen als in ländlichen Siedlungen.

Die meisten Städte oder zumindest ihre modernen Areale sind den Erfordernissen des motorisierten Individualverkehrs angepaßt worden. Das Auto bestimmte die Straßenführung, beeinflußte die funktionale Gliederung, also die Lage von Wohngebieten, Geschäftsvierteln, Gewerbe- und Industriezonen, und prägte sogar das Gefüge der sozialen Interaktion und Kommunikation. Die Stadtplaner suchten – ohne Rücksicht auf die Umwelt – mit Schnellstraßen, Parkhäusern und komplizierten Ampelsteuerungen die Autoflut zu kanalisieren. Folgeprobleme wie die Luftverschmutzung geht man wiederum mit technischen Mitteln an.

Curitiba, 1654 als Goldgräberlager gegründet und seit 1854 die Hauptstadt des Staates Paraná im Südosten Brasiliens, bildet eine bemerkenswerte Ausnahme. Sie ist eine der am schnellsten wachsenden Städte in einem Land ausufernder Metropolen. Ihre Einwohnerzahl von City und Vororten schnellte zwischen 1950 und 1990 von 300000 auf 2,1 Millionen empor. Auch die wirtschaftliche Basis hat sich in dieser Zeit radikal verändert: Einst auf die Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse beschränkt, wurde Curitiba zum aufstrebenden Industrie- und Handelszentrum.

Die negativen Folgen derart rasanten Wandels lassen sich überall in den Entwicklungsländern beobachten: Arbeitslosigkeit, Slums von Landflüchtigen an den Stadträndern, Verkehrschaos und Zerstörung natürlicher Resträume. Doch Curitiba vermochte diesem Schicksal zu entgehen. Trotz der für die Region typischen Armut und Finanzschwäche weist sie eine viel geringere Umweltverschmutzung, eine etwas nie