Stadtplanung in Curitiba
Die südbrasilianische Metropole hat sich über etablierte Grundsätze der modernen Stadtplanung hinweggesetzt und modellhaft vorgeführt, wie sich mit einfachen, umweltkonformen Maßnahmen die Probleme eines rasch expandierenden Gemeinwesens besser lösen lassen als mit aufwendiger Technik.
Die meisten Städte oder zumindest ihre modernen Areale sind den Erfordernissen des motorisierten Individualverkehrs angepaßt worden. Das Auto bestimmte die Straßenführung, beeinflußte die funktionale Gliederung, also die Lage von Wohngebieten, Geschäftsvierteln, Gewerbe- und Industriezonen, und prägte sogar das Gefüge der sozialen Interaktion und Kommunikation. Die Stadtplaner suchten – ohne Rücksicht auf die Umwelt – mit Schnellstraßen, Parkhäusern und komplizierten Ampelsteuerungen die Autoflut zu kanalisieren. Folgeprobleme wie die Luftverschmutzung geht man wiederum mit technischen Mitteln an.
Curitiba, 1654 als Goldgräberlager gegründet und seit 1854 die Hauptstadt des Staates Paraná im Südosten Brasiliens, bildet eine bemerkenswerte Ausnahme. Sie ist eine der am schnellsten wachsenden Städte in einem Land ausufernder Metropolen. Ihre Einwohnerzahl von City und Vororten schnellte zwischen 1950 und 1990 von 300000 auf 2,1 Millionen empor. Auch die wirtschaftliche Basis hat sich in dieser Zeit radikal verändert: Einst auf die Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse beschränkt, wurde Curitiba zum aufstrebenden Industrie- und Handelszentrum.
Die negativen Folgen derart rasanten Wandels lassen sich überall in den Entwicklungsländern beobachten: Arbeitslosigkeit, Slums von Landflüchtigen an den Stadträndern, Verkehrschaos und Zerstörung natürlicher Resträume. Doch Curitiba vermochte diesem Schicksal zu entgehen. Trotz der für die Region typischen Armut und Finanzschwäche weist sie eine viel geringere Umweltverschmutzung, eine etwas nie


Leitman ist in leitender Stellung bei der Weltbank tätig. Er hat an der Harvard-Universität in Cambridge (Massachusetts) studiert und 1992 an der Universität von Kalifornien in Berkeley über Stadt- und Regionalplanung promoviert.
Er ist ebenso wie Jonas Rabinovitch ein erfahrener Stadtplaner. Rabinovitch hat an der Bundesstaatlichen Universität von Rio de Janeiro Architektur und Stadtplanung studiert und am University College London in Ökonomie der Stadtentwicklung mit Schwerpunkt Verkehrs- und Transportplanung den Magistergrad erworben. Ab 1981 gehörte er dem Stadtforschungs- und Planungsamt von Curitiba an, beriet den Bürgermeister und war Direktor für internationale Beziehungen der Stadt. Vor drei Jahren ging er zu den Vereinten Nationen.
Er ist ebenso wie Josef Leitman ein erfahrener Stadtplaner.
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