Ja, das möchste:

Eine Villa im Grünen mit großer Terrasse,

vorn die Ostsee, hinten die Friedrichstraße:

mit schöner Aussicht, ländlich-mondän,

vom Badezimmer ist die Zugspitze zu sehn

aber abends zum Kino hast dus nicht weit.

Kurt Tucholsky

"Schnipsel"

Moderne Städte pflegen sich so in ihre Umgebung auszubreiten, daß sich auf der Landkarte ein tintenklecksartiges Bild ergibt. Diese Form wird im allgemeinen als ungeordnet und chaotisch empfunden, und es fehlt nicht an Versuchen, die Qualitäten der vermeintlich gewachsenen historischen Stadt wieder erstehen zu lassen.

Dabei war diese, zumindest was ihren Rand angeht, ein extrem künstliches Gebilde: Jede Erweiterung erforderte ein neues Stück Stadtmauer und damit gezielte Planung sowie kollektive Anstrengung der Bewohner. Nachdem der Verteidigungsaspekt keine Rolle mehr spielte und moderne Verkehrsmittel größere Entfernungen überwindbar machten, platzte die Behälterstadt wie eine Fruchtkapsel auf und ergoß sich in den umgebenden Raum. Der Stadtorganismus nahm in vielfältiger Weise die vorhandenen Strukturen wie Wegesysteme, unbebaute Flächen, Bachläufe und angrenzende Dörfer auf und vernetzte sich zu einer Stadtlandschaft.

Aber das Chaos ist nicht ohne Regel: Weltweit ähneln sich die Stadtlandschaften im äußeren Erscheinungsbild. Verbirgt sich dahinter eine Eigengesetzlichkeit menschlicher Siedlungsprozesse?


Fraktale Strukturen

Um dieser Frage nachzugehen, haben wir Pläne neueren Datums von 60 Ballungsgebieten digitalisiert und nach drei Gesichtspunkten ausgewertet: Zersiedlungsgrad, maximale Randdistanz und Größenverteilung der Teilflächen. Als Maß für den Zersiedlungsgrad diente uns das Verhältnis von Siedlungsfläche zu Randlänge einer Stadt. Zum Rand zählen dabei nicht nur die Grenzen nach außen, sondern beispielsweise auch die zu Freiflächen im Stadtinnern.

Die Messung der Randlänge ist nicht unproblematisch. Der