Unser Darm beherbergt ein vielfältiges Ökosystem aus zig Billionen von Bakterien (siehe Spektrum der Wissenschaft 11/2012, S. 26). Diese Mikroben sind keineswegs nur Schmarotzer. Vielmehr helfen sie beim Aufschließen schwer verdaulicher Nahrungsbestandteile und stehen in enger Wechselwirkung mit dem Immunsystem.

Derzeit gehen Forscher der Frage nach, ob ein Zusammenhang zwischen dem Wandel unseres Lebensstils in den letzten Jahrzehnten, Veränderungen der Darmflora und der explosionsartigen Verbreitung von Allergien in den Industrieländern besteht. Daraus könnten ganz neue Therapieansätze erwachsen, welche den zahllosen Menschen, die von Heuschnupfen, Asthma und anderen Überempfindlichkeitsreaktionen geplagt sind, endlich wirksam helfen.

Die "Hygienehypothese" postulierte erstmals eine ursächliche Beziehung zwischen dem westlichen Lebensstil und dem Auftreten von Allergien (siehe Spektrum der Wissenschaft 12/2012, S. 34). Wissenschaftler hatten festgestellt, dass der übermäßige Gebrauch antibakterieller Substanzen – von Putzmitteln bis zu Antibiotika – den Kontakt mit Krankheitserregern in der frühen Kindheit stark verringert. Offenbar störe die mangelnde Auseinandersetzung mit Keimen in den ersten Lebensjahren die Immunregulation, so ihre Schlussfolgerung …