Aktuelle Debatte | 11.02.2008

Das aktuelle Stichwort

Weltraumlabor Columbus

Es ist vollbracht: Das Weltraumlabor Columbus wurde erfolgreich an die Internationale Raumstation ISS angedockt. Damit verfügt Europa nun über ein eigenes Forschungslabor im All.
Christoph Marty
Nach ursprünglicher Planung hätte Columbus bereits im Oktober 2004 an die ISS andocken sollen. Doch nach dem Absturz der Raumfähre Columbia im Jahr zuvor, bei der alle sieben Besatzungsmitglieder ums Leben kamen, hatte die Nasa sämtliche Shuttle-Missionen vorübergehend gestoppt. Nach Wiederaufnahme des Flugbetriebs wurde der Start durch technische Probleme erneut verzögert. Da das knapp elf Tonnen schwere Forschungslabor aber nur in einem US-Shuttle ins All befördert werden kann, blieb der wichtigste Beitrag der Europäischen Weltraumorganisation Esa zur ISS vorerst auf dem Boden.

Auch der für Dezember 2007 angesetzte Termin wurde mehrfach verschoben. Nun aber werden Hans Schlegel und sein französischer Kollege Leopold Eyharts endlich Europas ersten permanenten Außenposten im All eröffnen. Beide Europäer verfügen bereits über Weltraumerfahrung: Schlegel war im Jahr 1993 an Bord der späteren Unglücksmaschine Columbia im All, Eyharts hatte im Jahr 1998 drei Wochen auf der russischen Raumstation Mir verbracht. Neben den zwei Europäern gehören noch sechs amerikanische Astronauten zur Besatzung der Mission STS-122.

Während Schlegel nach elf Tagen im All mit der Atlantis wieder zur Erde zurückkehren wird, ist für Eyharts ein Langzeitaufenthalt auf der ISS bis ins kommende Frühjahr geplant. Unter Anleitung des Columbus-Kontrollzentrums in Oberpfaffenhofen wird er eine Vielzahl wissenschaftlicher Experimente im neuen Forschungslabor vornehmen. Bei der Konstruktion des Moduls diente den Europäern das Raumlabor SpaceLab als Vorbild, das zwischen 1983 und 1999 an Bord der US-Raumfähren im Einsatz war.

Columbus besteht aus sieben Versuchseinrichtungen, von denen zwei während eines weiteren Weltraumaufenthalts an die Außenwand montiert werden und Experimente direkt im All ermöglichen. Das zylinderförmige Modul verfügt zudem über eine sieben Meter lange Druckkabine mit viereinhalb Metern Durchmesser. Darin sind Untersuchungen aus den verschiedensten Bereichen der Wissenschaft geplant, die teils vollautomatisch gesteuert, teils von den Astronauten selbst vorgenommen werden.

Befreit von den Zwängen der Schwerkraft werden Wissenschaftler im Fluid Science Laboratory beispielsweise die Eigenschaften von Flüssigkeiten erforschen. Auf der Erde lassen sich solche dynamischen Wechselwirkungen nur schwer untersuchen, weil die allgegenwärtige Gravitation Flüssigkeiten sofort sedimentieren lässt – deshalb die Flucht ins All. Im BioLab stehen dagegen die Folgen der Schwerelosigkeit auf allen Ebenen des Lebens im Fokus. Eines der Experimente prüft etwa, wie die fehlende Gravitation das Wachstum von Pflanzensamen beeinflusst. Weitere Versuche sollen klären, wie sich zelluläre Mechanismen im Weltraum verändern, etwa die Genexpression. Ein zusätzlicher Forschungsschwerpunkt liegt auf den Langzeitauswirkungen der Schwerelosigkeit auf den menschlichen Körper – eine wichtige Erkenntnis für spätere Langzeitmissionen.

Die Kosten für Entwicklung und Testbetrieb des Columbus-Moduls belaufen sich auf insgesamt 880 Millionen Euro. An der Finanzierung sind 13 Staaten beteiligt, Deutschland übernimmt mit 51 Prozent den Großteil der Kosten. Mindestens zehn Jahre soll Columbus für wissenschaftliche Untersuchungen einsatzbereit sein – nach langem Warten beginnt für die beteiligten Forscher nun also die Zeit des Erntens.
© Spektrum.de
Logo der Columbus-Mission

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