Der Mathematische Monatskalender | 01.01.2012 | Drucken | Teilen

Januar 2012

Der deutsche Theologe und Mathematiker Michael Stifel (1487 - 1567) widmete sich zunächst der Entschlüsselung geheimer Botschaften in religiösen Schriften und berechnete den Tag des Weltuntergangs. Dann aber brachte er mit seinen Werken zu Algebra und Arithmetik die Mathematik voran.
Michael Stifel

Michael Stifel
  Michael Stifel
Michael Stifel (1487 – 1567) wächst in Esslingen auf. Als Mitglied des Bettelordens der Augustiner wird er mit 24 Jahren zum Priester geweiht. Weil Stifel die Lehren Martin Luthers vertritt, kommt es zu Spannungen zwischen ihm und seinen Ordensbrüdern, die ihn schließlich sogar zwingen, das Kloster zu verlassen. Er übernimmt daraufhin Stellen als Prediger, doch aufgrund seines reformatorischen Eifers droht ihm bald der Scheiterhaufen. Als Landpfarrer bei Wittenberg beschäftigt er sich schließlich auch intensiv mit dem Studium der Algebra. Gleichzeitig versucht er, mit Hilfe der Mathematik geheime Botschaften in religiösen Schriften zu entschlüsseln.

Mit seiner so genannten Wortrechnung analysiert Stifel die Offenbarung des Johannes und kommt zu dem Schluss, der Tag des Jüngsten Gerichts sei der 19. Oktober 1533. An besagtem Tag versammelt er seine Gemeinde um sich. Doch der Weltuntergang bleibt aus und Stifel wird durch Gesandte des Kurfürsten in Schutzhaft genommen. Dieses Missgeschick brachte Michael Stifel sogar eine eigene Redewendung ein: "einen Stiefel rechnen" in der Bedeutung von "sich irren".

Fortan widmet sich Stifel nur noch "ernsthafter" Mathematik und verfasst unter anderem ein dreibändiges Werk zur Arithmetik und Algebra, mit dem er entscheidend zur Weiterentwicklung der Mathematik beitrug…

Anzeige