Der Mathematische Monatskalender | 01.11.2011 | Drucken | Teilen

November 2011

Der Franzose Nicolas de Condorcet (1743 - 1794) ist nicht nur als Mathematiker bekannt. Auch für seine Abhandlungen zur Wahlgerechtigkeit und seinen Einsatz für soziale und wirtschaftliche Reformen erfährt er Anerkennung. Während der französischen Revolution gerät aber sein Leben in Gefahr.
Heinz Klaus Strick
Nicolas de Condorcet
© Heinz Klaus Strick
Nicolas de Condorcet
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Nicolas de Condorcet (1743 – 1794) kann sein mathematisches Talent erst entfalten, als sich sein Onkel gegen die allein erziehende, streng religiöse Mutter durchsetzt, die den jungen Marquis einer alteingesessenen französischen Adelsfamilie von weltlichem Unterricht fern halten will. Bereits mit 22 Jahren verfasst er zum Thema der Integralrechnung seine erste wichtige Arbeit, und nur vier Jahre später verhilft ihm seine mathematische Begabung zu einer Mitgliedschaft in der Académie Royale des Sciences.

Neben seiner Tätigkeit als Generalinspekteur der Königlichen Münze, die er – wenn auch ungern – von 1774 bis 1791 ausübt, verfasst er weitere mathematische Abhandlungen, aber auch Schriften zu sozialen und politischen Themen wie zur Gleichberechtigung von Frauen oder zur Abschaffung der Sklaverei.

Besonders bemerkenswert ist Condorcets wahrscheinlichkeitstheoretische Behandlung des Problems eines gerechten, demokratischen Wahlsystems. Es führt zu einem Paradoxon, das heute seinen Namen trägt. Condorcet geht aber auch der Frage nach, unter welchen Voraussetzungen und mit welcher Wahrscheinlichkeit eine Jury insgesamt eine gerechtere Entscheidung treffen würde als ein einzelnes Mitglied.

Während der französischen Revolution greift Condorcet in das politische Geschehen ein und wird sogar Präsident der Gesetzgebenden Nationalversammlung. Doch gerät er bald in heftige Konfrontation mit den radikalen Jakobinern unter Robespierre. Seine Kritik an deren Verfassungsentwurf führt schließlich dazu, dass er sich bei Freunden verstecken muss, um einer Verhaftung zu entgehen …
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