Manchmal fragt er sich, wie oft eines der Teilchen schon mit seinem Körper kollidiert ist. Wie oft es in eine Zelle eingedrungen ist und den Atomkern herausgeschlagen hat. Wie oft es eine Spur hinterlassen hat in unserer Welt. "WIMPs durchdringen uns die ganze Zeit", sagt Alfredo Ferella. WIMPs, die "Weakly Interacting Massive Particles", die Teilchen der Dunklen Materie. Bisher sind sie nur eine Vermutung. "Vielleicht gibt es WIMPs auch gar nicht", sagt der italienische Physiker. Vielleicht sind die Teilchen, die er seit neun Jahren sucht, nur ein Hirngespinst. Manchmal denkt er das, wenn er seinen Sohn ins Bett bringt, in Konferenzsälen sitzt, in die Kirche geht. Um es endlich herauszufinden, verschwindet er 70 Tage im Jahr in einem Tunnellabyrinth unter dem Gran Sasso, einem Felsmassiv zwei Autostunden östlich von Rom. Im einem der größten Untergrundlabore der Welt, den Laboratori Nazionali del Gran Sasso, wollen Physiker die unsichtbaren Elementarteilchen endlich aufspüren. Damit möchten sie eines der größten Rätsel der modernen Physik lösen: Sterne, Planeten, Schwarze Löcher und Gasnebel erzeugen nicht genügend Schwerkraft, um die Bewegungen der Gestirne zu erklären. Die...