Erderwärmung
Die Dynamik der Polkappen
Wenn sich das Eis der Antarktis und Grönlands infolge der globalen Erwärmung in Wasser verwandelt, kommt es zu weltweiten Überflutungen. Doch auf Klimaänderungen reagieren die Polkappen, wie neue Modelle ihrer Eisdynamik zeigen, erst mit mehrtausendjähriger Verspätung.
Frédérique Rémy und Catherine Ritz
Mit einer Fläche von 14 Millionen Quadratkilometern und einer Eisdecke, die im Mittel 2200 Meter, stellenweise aber mehr als 4000 Meter mächtig ist, beherbergt der Kontinent am Südpol neunzig Prozent des Eises auf der Erde. Würde es komplett schmelzen, stiege der Meeresspiegel um siebzig Meter. Jährlich kommen etwa 2250 Gigatonnen Neuschnee hinzu. Das entsprechende Wasservolumen würde den Meeresspiegel um 6,5 Millimeter anheben oder einen Würfel von 150 Kilometern Kantenlänge füllen.
Die zweite große Inlandeisdecke der Erde befindet sich auf Grönland. Sie speichert zehnmal weniger Eis als die antarktische; dennoch lagern sich wegen des feuchteren und wärmeren Klimas pro Jahr beachtliche 500 Gigatonnen Schnee auf der Insel ab.
Wie reagieren diese beiden riesigen Eisreservoire auf die Erderwärmung der vergangenen Jahrzehnte? Derzeit steigt der mittlere Meerwasserspiegel weltweit um schätzungsweise 1,5 Millimeter pro Jahr. Tragen die Antarktis und Grönland dazu bei?
Modelle der Eisdynamik
Auf der Suche nach konkreten Anhaltspunkten haben Geophysiker damit begonnen, die Dynamik der Polkappen in Computermodellen darzustellen. Dies stößt auf die gleichen Schwierigkeiten wie alle Versuche, komplexe Vorgänge rechnerisch zu erfasse


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