Es kann eine Weile dauern, bis sich neues Wissen auch in der Praxis durchsetzt. Imke Reese geht es in diesem Fall aber entschieden zu langsam. Die Münchner Ernährungswissenschaftlerin hat vor zwei Jahren zusammen mit Kinderärzten, Allergie- und Ernährungsexperten die medizinische Leitlinie der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin mit Maßnahmen zu Allergieprävention bei Kindern überarbeitet. Doch Reese trifft immer wieder auf Mütter und Kinderärzte, die noch die alten Empfehlungen im Kopf haben. So wurde bis vor Kurzem geraten, zunächst einmal all das an Umwelt- und Nahrungsstoffen zu meiden, was das unreife Immunsystem irritieren könnte. Nach dem Motto: Wo kein Allergen ist, ist auch keine Allergie. Daher sollten Hühnerei, Fisch, Weizen, Nüsse oder Erdnüsse erst ab dem zweiten oder gar dritten Lebensjahr auf dem Kinderteller landen. Und schwangeren oder stillenden Frauen wurde mitunter empfohlen, auf diese Nahrungsmittel zu verzichten, um der kindlichen Abwehr nicht zu viel zuzumuten. Das Baby wurde zum Schutz vielmehr in eine Art "immunologischen Kokon" eingewickelt, wie es der britische Kinderallergologe Gideon Lack vom Kings's College in...