Die erstaunliche Wiederkehr der
Traditionellen Chinesischen Medizin
Im Grunde wollten die chinesischen Machthaber ihre eigene Medizin zu Gunsten einer modernen Heilkunst loswerden. Doch dann verschaffte ausgerechnet der Westen der TCM eine unverhoffte Renaissance.
Paul Ulrich Unschuld ist Direktor des Horst-
Görtz-Stiftungsinstituts für Theorie, Geschichte
und Ethik Chinesischer Lebenswissenschaften
der Charité-Universitätsmedizin in Berlin. Er
studierte Pharmazie, promovierte in Sinologie
und war lange Direktor des Instituts für Geschichte
der Medizin der Ludwig-Maximilians-
Universität München. Unschuld ist Autor
zahlreicher Bücher zur Geschichte der Traditionellen Chinesischen Medizin.
Wer einmal versucht, mit Google das Alter der
so genannten Traditionellen Chinesischen
Medizin zu bestimmen, wird auf höchst widersprüchliche
Angaben stoßen. Da ist etwa von »jahrtausendealter Heilkunde« die Rede, an anderer Stelle von »drei-«, »vier-«, ja selbst »sechstausend Jahre alter Medizin«. Der Legendenbildung wurde hier offenbar Tür
und Tor geöffnet.
Tatsächlich gibt es für einen Historiker keine großen
Unklarheiten über die Ursprünge der Chinesischen Medizin,
denn er kann sich auf archäologische Funde in zahlreichen
Gräbern aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. berufen. Demnach
wurde in China seit prähistorischen Zeiten eine Heilkunde
überliefert, die bereits damals, wie die in den Gräbern ent-
deckten Schriften belegen, einen höchst eindrucksvollen
Entwicklungsstand erreicht hatte. Mehrere hundert Substanzen pflanzlicher, tierischer und mineralischer Herkunft, aber