Bislang ist über die Fortpflanzung von Tiefsee-Kalmaren wie Octopoteuthis deletron wenig bekannt: Es gibt nur eine direkte Beobachtung aus dem Jahr 1996. Angeschwemmte oder von Fischern gefangene Tiere ließen aber bereits vermuten, dass sie ein anderes Paarungsverhalten zeigen als ihre oberflächennah lebenden Verwandten. Denn immer wieder wurden hier auch auf männlichen Tieren Spermatophoren gefunden – Samenpakete, die normalerweise die Eier der Weibchen befruchten sollen. Es blieb jedoch unklar, ob sie vielleicht von den gefundenen Tieren selbst stammten oder in Stresssituationen wie im Fangnetz fälschlich dort platziert wurden.
Forschern um Henk-Jan Hoving vom Monterey Bay Aquarium Research Institute gelang es nun aber in jahrelanger Arbeit, mit Hilfe von ferngesteuerten Unterwasserfahrzeugen über 100 O. deletron in ihrem normalen Lebensraum in 400 bis 800 Meter Tiefe zu filmen. Bei 29 Tieren entdeckten sie Samenpakete auf Rücken- und Bauchseite – auch an Stellen, die für die Kalmare selbst unerreichbar waren, ein Männchen musste sie also dort angeheftet haben. Erstaunt stellten die Forscher fest, dass 20 der Spermatophoren-Beglückten selbst Männchen waren.
Ein Octopoteuthis-deletron-Weibchen, aufgenommen von dem ferngesteuerten Unterwasserfahrzeug Ventana in 851 Meter Tiefe im Monterey Canyon: Am Kopf und auf der rechten Mantelseite sind als weiße Punkte die Überreste von Spermienpaketen sichtbar, die von Männchen dort angeheftet wurden.




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