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"3) Der irrationale Horroraspekt."
Dies ist wohl ein typischer Fall: Jedes Gegenargument wird entweder für irrational, lächerlich oder sonstwie unüberlegt erklärt.
Ich hatte die Muskelrelaxantien nicht erwähnt, weil vielleicht der Patient sich einen Kaffee holt (wieder wird alles ins Lächerliche gezogen). Auch hier wird der "Hirntote" plötzlich zum Patienten. Als wäre das, was bei einer Explantation geschieht, ein ganz normales Verfahren, das Jedem tagtäglich widerfahren könnte - und nächste Woche wieder. Der "Patient" ist DANACH tot.
Seit wann "wehrrt sich der Körper ..." bei einem Eingriff? Es ist das ENS, das hier zuschlägt und dem man zumutet, eine Explantation bei wachem "Bewusstsein" zu erleben! WARUM werden keine Beteubungsmittel gegeben? Genau dieser Frage weichen Sie dauernd aus.
Trotz großer Bemühungen ist es nicht gelungen, Funktion im Gehirn lokal einzugrenzen (Begriffe Lokalisation (Neurologie), Lokalisationstheorie, Phrenologie). Trotzdem werden immer wieder Neurone gefunden, die Globales tun können. So auch im obigen Artikel: "Neurone im Präfrontalkortex verfolgen soziale Handlungen". Woher haben diese Neurone die Information? Haben diese Augen nach außen? Schon die Überschrift ist Nonsens, eine Blamage. Ein Neuron hat nie die Möglichkeit, bei max. 20 000 Eingängen, Gloables zu erkennen. Alle vorgeschalteteten Neuronen müssen helfen. Und dann ist es eben nicht das lokale Neuron, sondern die (oder ein Bündel) Erregungsleitung, welche erkennt. Es sind ist im 21. Jh. vorbei mit den Lokalisationstheorien/-deutungen. Weg mit dem alten Denken, weg mit den Muff unter den Talaren.
Zum einen: das sind - hoffentlich wiederholbare! - Beobachtungen an AFFEN, nicht an MENSCHEN.
Zum andern: Auch der weitere Anschein, den der Titel doch wohl erwecken soll, ist höchst zweifelhaft, der Anschein nämlich, die angeblich vorhandene Sozialeigenschaft sei ANGEBOREN - und nicht "nur" in der Gemeinschaft erworben/erlernt.
Es bleibt: die beobachteten offenbar in größeren Gemeinschaften (als nur der kleinen einer engeren Familie) lebenden Affen lassen Nahrung, die sie selbst nicht bekommen, aber den anderen Gruppenmitgliedern zukommen lassen können, lieber den anderen Mitgliedern zukommen, als dass sie sie verderben lassen. Ist das schon sozial - oder doch nur wieder selbstsüchtig? Denn wenn jeder in der Gruppe so handelt, kommt die Wohltat doch wieder zurück. Es handelt sich wohl eher um ein Spiegelverhalten, das allerdings der erste Schritt zum Erlernen sozialen Verhaltens sein kann.
Der erste große Schwachpunkt ist bereits, dass die Autorin namhaften Neurowissenschaftlern zwar unbegründete und durch die Befundlage nicht gerechtfertigte Aussagen zum freien Willen des Menschen vorwirt, jedoch diese Aussagen nie eindeutig, vollständig und v.a. widerspruchsfrei wiedergibt. Mal wird behauptet, die Neurowissenschaften verträten einen Laplaceschen Determinismus (was nun wirklich sehr unzeitgemäß wäre), mal stützen sich die Hirnforscher hauptsächlich auf neuropathologische Befunde - was etwas gänzlich anderes ist.
Daher bleibt leider im Dunkeln, was eigentlich die Absicht hinter dem vorliegenden Buch war.
Nach diesem schweren Manko darf nicht mehr viel erwartet werden. Wer z.B. hofft, dass die Hauptbegründungen (neuropathologische Befunde) der Hirnforscher für ihre Thesen aufgegriffen und kritisch hinterfragt werden, der wird bitter enttäuscht. Hier bietet das Buch rein gar nichts. Das Ziel der Autorin, die Infragestellung des freien Willens zu kritisieren, wird daher komplett verfehlt.
Einzig und allein die Libet-Experimente und ihre Aussagekraft werden angesprochen. Hier liegt daher der Verdacht nahe, dass die Autorin eben auch keine schlagkräftigen Argumente gegen die Interpretation neuropathologischer Befunde durch manche Hirnforscher hat.
Stattdessen wird der Leser durch die vielen Seiten mit vagen Ausführungen zur Notwendigkeit einer Begründung des mentalen Zeitpfeils durch einen physikalischen kaum schlauer, sondern eher verwirrt. Hier bleiben die Aussagen der Autorin letztlich genauso unbegründet, wie sie es den Hirnforschern bei ihren Ausführungen zum Determinismus vorwirft.
Dabei lautet die von der Autorin vertretene These offenbar, dass eine physikalische Erklärung der Fähigkeit des Gehirns zur Unterscheidung von Zukunft und Vergangenheit zwangsläufig auf irreversiblen physikalischen Prozessen beruhen muss. Dabei wird insbesondere der Zweite Hauptsatz der Thermodynamik herausgegriffen und auf dessen Unvereinbarkeit mit und Irreduzibilität aus deterministischen Naturgesetzen (wie z.B. Newtonscher Mechanik und Elektrodynamik) verwiesen. Da die Physik den "Zeitpfeil" (dieser für die Argumentation zentrale Begriff wird im Buch nie genau definiert!) also letztlich nicht erklären könne, sei ihr also auch keine Erklärung des mentalen Zeiterlebens möglich. Weiterhin sei in einer deterministischen Welt "der Unterschied von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nichts als eine Illusion" (was auch immer dies bedeuten soll). Da dies dem mentalen Erleben widerspricht, könne das mentale Zeitempfinden nicht durch die Physik des Gehirns determiniert sein.
Die einfachste Erklärung, nämlich dass das mentale Zeitempfinden schlichtweg durch die Reihenfolge der eintreffenden Sinneseindrücke definiert sein könnte (wie bei einer Kamera, die mit jedem aufgenommenem Bild den Aufnahmezeitpunkt speichert), zieht die Autorin nicht in Betracht. Damit wäre kein Rückgriff auf den physikalischen Zeitpfeil nötig und ihre Argumentation bräche in sich zusammen.
Leider leistet sich die promovierte Physikerin mit der Aussage, die Maxwellgleichungen seien deterministisch und zeitsymmetrisch, die sich als Lösungen ebenso ergebenden avancierten Potenziale müssten jedoch nachträglich verworfen werden, da sie in der Natur nicht vorkommen, hier einen erstaunlichen Argumentationsfehler. Richtiger wäre folgende Aussage: Grundlage bei der Herleitung der Maxwellschen Gleichungen ist die Erkenntnis, dass Ströme und Ladungen die Ursachen für elektromagnetische Felder sind und nicht umgekehrt. Diese Aussage lässt sich jedoch nicht mit in die Gleichungen hineinpacken, diese beschreiben nur die Beziehungen zwischen e.m. Feldern und Strömen bzw. Ladungen - ohne Festlegung, welches Phänomen Ursache und welches Wirkung ist. Mit den avancierten Potenzialen verwirft man also nur die Lösungen, bei denen e.m. Felder als die Ursachen von Ladungen und Strömen angesehen würden.
Diese Falschdarstellung an einem im Argumentationsgang der Autorin zentralen Punkt ist einem Vertrauen in die sonstigen Ausführungen über physikalische Fragestellungen nicht gerade förderlich.
Es scheint sich also mal wieder zu bestätigen, dass Frauen über eine bessere Sozialkompetenz bzw. in diesem Fall soziale Wahrnehmung verfügen.
Aber mal davon abgesehen: Lässt sich daraus schließen, dass Männer mit kantigen Gesichtszügen häufiger untreu sind?
Naja, solange man es nicht an der Größe der Ohren erkennen kann.
Antwort der Redaktion: Vielen Dank für Ihren Leserbrief. In dem beschriebenen Experiment schienen Frauen die Neigung zur Untreue der abgebildeten Männer tatsächlich anhand maskuliner Merkmale - insbesondere kantiger Gesichtszüge - auszumachen. Rechneten die Forscher um Gillian Rhodes die Maskulinität statistisch heraus, konnten die Probandinnen das Maß der Untreue nicht mehr gut einschätzen.
Erstaunlicherweise neigten Männer mit markanteren Zügen - nach eigenen Angaben - häufiger zum Seitensprung; der Zusammenhang zwischen Maskulinität und Untreue war aber eher klein. Eventuell könnten maskuline Männer aber auch ehrlicher ihre Eskapaden zugeben als ihre normalen Geschlechtsgenossen. Was wirklich dahinter steckt, ist also noch unklar.
Mit freundlichen Grüßen
Liesa Klotzbücher
Redaktion GuG
Der Beitrag zeigt die Diskrepanz zwischen innerem und äußerem Wissen auf. Mit anderen Worten: Die verschiedenen Sichtweisen unter den Betrachtungswinkeln des semiotischen Dreiecks werden dargelegt.
Versuche, diese Diskrepanz zu überwinden, wurden unternommen und veröffentlicht u.a. von Sri Aurobindo, Jean Gebser, Ken Wilber, Susanne Cook-Greuter und werden als "integrale Theorie" bezeichnet. Auch die Kommunikationswissenschaftlerin Prof. Barbara Mettler-Meibom erwähnte diese Diskrepanz in ihrer Abschiedsvorlesung.
Mittlerweile gibt es zahlreiche Anhänger der integralen Bewegung. Sie warten wohl alle auf einen Artikel in GuG über die "integrale Theorie".
"In praise of misfits: Why business needs people with Asperger's syndrome, attention-deficit disorder and dyslexia" [ http://www.economist.com/node/21556230 ]
"Es ist ja noch ein Kind" - damit wurden in meiner Zeit Fehler von Kindern entschuldigt.
Kinder sind ja noch unvollkommen.
Laufen lernen: Das Kind fällt hin, steht auf und strahlt über das ganze Gesicht. Es ist das erste Mal alleine aufgestanden.
Der Fehler löst ein Depressionsgefühl aus. Durch das Alleineaufstehen hat es neue Kenntnisse und Erfahrungen, wie das geht. Ein Erfolgserlebnis. Warum sich Kinder oft schon über kleine Dinge freuen können.
Das Kind stellt sich die Aufgabe, mal in Spiegelschrift zu schreiben. Es geht und freut sich. Es ist, in dem es vieles noch durch Spielerei lernt.
Das Kind schreibt in Spiegelschrift, das ist ein Fehler. Früher begründete man den Fehler damit, dass es noch unvollkommen ist. Sie haben keinen Grund gefunden.
"Ich erziehe meine Kinder so, wie ich erzogen worden bin."
(Erziehung nach Sitte und Brauch)
Darüber werden Kenntnisse und Erfahrungen über Generationen weitergegeben. "Einen Hut legt man nicht auf den Tisch", wenn das Kind seine Mütze zum ersten Mal auf den Tisch legt. Hierüber ist vieles weit verbreitet und löst sich sehr langsam über Generationen wieder auf.
Der Artikel von Christian Wolf weckte mein Interesse - leider aber war ich enttäuscht, vor allem, als ich den darin vorkommenden Teil über Schizophrenie las.
Zunächst wird im Beitrag zwischen dem Begriff einer Ursache und einer Korrelation nicht unterschieden: Korrekt ist, dass es erste Studien gibt, wonach die Verminderung der kortikalen grauen Substanz in verschiedenen Gehirnregionen bei Patienten mit Schizophrenie stärker ausgeprägt sein soll als bei anderen Patienten. Nicht richtig ist, ersteres daher als Ursache von letzterem anzusetzen. Erstens sind die Ursachen für Schizophrenie ja nach allem, was man aktuell weiß, ungleich komplexer und vielfältiger. Und zweitens ist eine Korrelation eben keine Ursache - die Ursache mag an ganz anderer Stelle liegen.
Auch fand ich es schade, dass Schizophrenie ausschließlich als "Denkstörung" bezeichnet wurde. Dazu muss man nicht einmal die Studie von Jon L. Karlsson aus "The British Journal of Psychiatry (2004): Psychosis and academic performance" und viele weitere Beiträge zitieren - immer wieder können wir lesen, dass mathematisch Hochbegabte ebenfalls ein erhöhtes Risiko besitzen, Merkmale einer Schizophrenie aufzuweisen.
Unter Umständen ist Schizophrenie also lediglich eine andersartige Form der Informationsverarbeitung - und ich möchte mir nicht anmaßen zu bewerten, ob dies unter allen Umständen eine Krankheit sein muss oder ob es nicht zunächst schlicht eine Form ist, unsere Welt wahrzunehmen. Meines Erachtens ist hier eine deutlich differenziertere Betrachtungsweise gefragt.
Nicht zuletzt fühlte ich mich auch ehrlich betroffen, im Artikel "Anomalien im Erleben und Verhalten" in einem Atemzug mit der Bewertung weiterer "Erkrankungen in der Pubertät" zu lesen. Ich denke, dass unsere Gesellschaft genau an solchen vorschnellen Identifikationen krankt - schade für uns, wenn wir so konformistisch und unkritisch denken: Wie viel kreatives Potenzial und wie viel Respekt gegenüber Andersartigkeit verlieren wir dabei?
Wurde in der Untersuchung die Variable "Herkunft" berücksichtigt?
Ökonomische Besserstellung in der Jugend ermöglicht eine sorgenfreie und höherwertige Schul-/Ausbildung und führt auf diesem Umweg zu höheren Einkommen im späteren Leben.
Falls diese Größe nicht herauspartialisiert wurde, handelt es sich um ein Artefakt.
Antwort der Redaktion: Sehr geehrter Herr Kirsch,
vielen Dank für Ihre Anfrage. Die Wissenschaftler Jan-Emmanuel De Neve und Andrew Oswald haben in ihrer Analyse das soziale Umfeld kontrolliert, indem sie ein besonderes Augenmerk auf Geschwister legten. Dabei stellten sie sicher, dass diese im selben Haushalt aufwuchsen - also unter gleichen finanziellen und sozialen Bedingungen. Der Vergleich innerhalb der Familien bestätigt die Hypothese der Forscher, laut der ein Zusammenhang zwischen Glück und späterem Einkommen besteht. Wer im Alter von 22 Jahren glücklicher war als sein Geschwister, verdiente mit 29 im Schnitt sechs Prozent mehr als seine Familenangehörigen im gleichen Alter.
Wollen, so blinkt es mir aus dem Herkunftswörterbuch entgegen, kommt von wählen.
"Ich will essen", bedeutet also: "Ich wähle zu essen."
Von "mehr wählen" oder "stärker wählen" oder von "sich (mehr) anstrengen beim Wählen" wird beim Essen keiner satt.
Von einmal wählen + einmal essen schon.
Imagination und Autosuggestion in Coué-Qualität können mehr möglich werden lassen, als selbst Kabarettisten glauben.
Gerade der Text von Eckart von Hischhausen zeigt doch, wie wunderbar und hundertprozentig seine eigene Autosuggestion bezüglich abnehmen funktioniert:
Er konditioniert sich immer wieder, wo und wem und wie er "die kleinen Tütchen abnehmen" wird, und nichts kann dieses, sein Top-Programm dann aufhalten.
Einfach beispielhaft!
Wir sollten alle mindestens so gut Autosuggestion lernen; es couét!
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Demagogie
10.01.2013, Willy FritzDies ist wohl ein typischer Fall: Jedes Gegenargument wird entweder für irrational, lächerlich oder sonstwie unüberlegt erklärt.
Ich hatte die Muskelrelaxantien nicht erwähnt, weil vielleicht der Patient sich einen Kaffee holt (wieder wird alles ins Lächerliche gezogen). Auch hier wird der "Hirntote" plötzlich zum Patienten. Als wäre das, was bei einer Explantation geschieht, ein ganz normales Verfahren, das Jedem tagtäglich widerfahren könnte - und nächste Woche wieder. Der "Patient" ist DANACH tot.
Seit wann "wehrrt sich der Körper ..." bei einem Eingriff? Es ist das ENS, das hier zuschlägt und dem man zumutet, eine Explantation bei wachem "Bewusstsein" zu erleben! WARUM werden keine Beteubungsmittel gegeben? Genau dieser Frage weichen Sie dauernd aus.
Lokalisation(stheorien)
07.01.2013, Stefan PscheraA minore ad majus
07.01.2013, Waler WeissZum andern: Auch der weitere Anschein, den der Titel doch wohl erwecken soll, ist höchst zweifelhaft, der Anschein nämlich, die angeblich vorhandene Sozialeigenschaft sei ANGEBOREN - und nicht "nur" in der Gemeinschaft erworben/erlernt.
Es bleibt: die beobachteten offenbar in größeren Gemeinschaften (als nur der kleinen einer engeren Familie) lebenden Affen lassen Nahrung, die sie selbst nicht bekommen, aber den anderen Gruppenmitgliedern zukommen lassen können, lieber den anderen Mitgliedern zukommen, als dass sie sie verderben lassen. Ist das schon sozial - oder doch nur wieder selbstsüchtig? Denn wenn jeder in der Gruppe so handelt, kommt die Wohltat doch wieder zurück. Es handelt sich wohl eher um ein Spiegelverhalten, das allerdings der erste Schritt zum Erlernen sozialen Verhaltens sein kann.
Entgegnung von Gerhard Roth zu den Vorwürfen gegen die Neurowissenschaften
01.01.2013, Dieter Kenzehttp://www.tagesspiegel.de/wissen/neurobiologie-der-geist-aus-der-maschine/6907160.html
Leider sehr enttäuschend
20.12.2012, Dieter KenzeDer erste große Schwachpunkt ist bereits, dass die Autorin namhaften Neurowissenschaftlern zwar unbegründete und durch die Befundlage nicht gerechtfertigte Aussagen zum freien Willen des Menschen vorwirt, jedoch diese Aussagen nie eindeutig, vollständig und v.a. widerspruchsfrei wiedergibt. Mal wird behauptet, die Neurowissenschaften verträten einen Laplaceschen Determinismus (was nun wirklich sehr unzeitgemäß wäre), mal stützen sich die Hirnforscher hauptsächlich auf neuropathologische Befunde - was etwas gänzlich anderes ist.
Daher bleibt leider im Dunkeln, was eigentlich die Absicht hinter dem vorliegenden Buch war.
Nach diesem schweren Manko darf nicht mehr viel erwartet werden. Wer z.B. hofft, dass die Hauptbegründungen (neuropathologische Befunde) der Hirnforscher für ihre Thesen aufgegriffen und kritisch hinterfragt werden, der wird bitter enttäuscht. Hier bietet das Buch rein gar nichts. Das Ziel der Autorin, die Infragestellung des freien Willens zu kritisieren, wird daher komplett verfehlt.
Einzig und allein die Libet-Experimente und ihre Aussagekraft werden angesprochen. Hier liegt daher der Verdacht nahe, dass die Autorin eben auch keine schlagkräftigen Argumente gegen die Interpretation neuropathologischer Befunde durch manche Hirnforscher hat.
Stattdessen wird der Leser durch die vielen Seiten mit vagen Ausführungen zur Notwendigkeit einer Begründung des mentalen Zeitpfeils durch einen physikalischen kaum schlauer, sondern eher verwirrt. Hier bleiben die Aussagen der Autorin letztlich genauso unbegründet, wie sie es den Hirnforschern bei ihren Ausführungen zum Determinismus vorwirft.
Dabei lautet die von der Autorin vertretene These offenbar, dass eine physikalische Erklärung der Fähigkeit des Gehirns zur Unterscheidung von Zukunft und Vergangenheit zwangsläufig auf irreversiblen physikalischen Prozessen beruhen muss. Dabei wird insbesondere der Zweite Hauptsatz der Thermodynamik herausgegriffen und auf dessen Unvereinbarkeit mit und Irreduzibilität aus deterministischen Naturgesetzen (wie z.B. Newtonscher Mechanik und Elektrodynamik) verwiesen. Da die Physik den "Zeitpfeil" (dieser für die Argumentation zentrale Begriff wird im Buch nie genau definiert!) also letztlich nicht erklären könne, sei ihr also auch keine Erklärung des mentalen Zeiterlebens möglich. Weiterhin sei in einer deterministischen Welt "der Unterschied von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nichts als eine Illusion" (was auch immer dies bedeuten soll). Da dies dem mentalen Erleben widerspricht, könne das mentale Zeitempfinden nicht durch die Physik des Gehirns determiniert sein.
Die einfachste Erklärung, nämlich dass das mentale Zeitempfinden schlichtweg durch die Reihenfolge der eintreffenden Sinneseindrücke definiert sein könnte (wie bei einer Kamera, die mit jedem aufgenommenem Bild den Aufnahmezeitpunkt speichert), zieht die Autorin nicht in Betracht. Damit wäre kein Rückgriff auf den physikalischen Zeitpfeil nötig und ihre Argumentation bräche in sich zusammen.
Leider leistet sich die promovierte Physikerin mit der Aussage, die Maxwellgleichungen seien deterministisch und zeitsymmetrisch, die sich als Lösungen ebenso ergebenden avancierten Potenziale müssten jedoch nachträglich verworfen werden, da sie in der Natur nicht vorkommen, hier einen erstaunlichen Argumentationsfehler. Richtiger wäre folgende Aussage: Grundlage bei der Herleitung der Maxwellschen Gleichungen ist die Erkenntnis, dass Ströme und Ladungen die Ursachen für elektromagnetische Felder sind und nicht umgekehrt. Diese Aussage lässt sich jedoch nicht mit in die Gleichungen hineinpacken, diese beschreiben nur die Beziehungen zwischen e.m. Feldern und Strömen bzw. Ladungen - ohne Festlegung, welches Phänomen Ursache und welches Wirkung ist. Mit den avancierten Potenzialen verwirft man also nur die Lösungen, bei denen e.m. Felder als die Ursachen von Ladungen und Strömen angesehen würden.
Diese Falschdarstellung an einem im Argumentationsgang der Autorin zentralen Punkt ist einem Vertrauen in die sonstigen Ausführungen über physikalische Fragestellungen nicht gerade förderlich.
Sinn machen ...
19.12.2012, ENDRPHNFrauen sind eben besser
11.12.2012, E. SeitzerAber mal davon abgesehen: Lässt sich daraus schließen, dass Männer mit kantigen Gesichtszügen häufiger untreu sind?
Naja, solange man es nicht an der Größe der Ohren erkennen kann.
Inneres und äußeres Wissen
10.12.2012, Urs HallerVersuche, diese Diskrepanz zu überwinden, wurden unternommen und veröffentlicht u.a. von Sri Aurobindo, Jean Gebser, Ken Wilber, Susanne Cook-Greuter und werden als "integrale Theorie" bezeichnet. Auch die Kommunikationswissenschaftlerin Prof. Barbara Mettler-Meibom erwähnte diese Diskrepanz in ihrer Abschiedsvorlesung.
Mittlerweile gibt es zahlreiche Anhänger der integralen Bewegung. Sie warten wohl alle auf einen Artikel in GuG über die "integrale Theorie".
Schön zusammengefasst, hier geht's noch ein Schritt weiter
10.12.2012, Peter RostMuss es immer ein Fehler sein?
10.12.2012, Stefan PlenertKinder sind ja noch unvollkommen.
Laufen lernen: Das Kind fällt hin, steht auf und strahlt über das ganze Gesicht. Es ist das erste Mal alleine aufgestanden.
Der Fehler löst ein Depressionsgefühl aus. Durch das Alleineaufstehen hat es neue Kenntnisse und Erfahrungen, wie das geht. Ein Erfolgserlebnis. Warum sich Kinder oft schon über kleine Dinge freuen können.
Das Kind stellt sich die Aufgabe, mal in Spiegelschrift zu schreiben. Es geht und freut sich. Es ist, in dem es vieles noch durch Spielerei lernt.
Das Kind schreibt in Spiegelschrift, das ist ein Fehler. Früher begründete man den Fehler damit, dass es noch unvollkommen ist. Sie haben keinen Grund gefunden.
Interessanter Artikel
09.12.2012, Stefan Plenert(Erziehung nach Sitte und Brauch)
Darüber werden Kenntnisse und Erfahrungen über Generationen weitergegeben. "Einen Hut legt man nicht auf den Tisch", wenn das Kind seine Mütze zum ersten Mal auf den Tisch legt. Hierüber ist vieles weit verbreitet und löst sich sehr langsam über Generationen wieder auf.
Christopher Hitchens
04.12.2012, Helmut RottUnbefriedigender Umgang mit dem Thema Schizophrenie
03.12.2012, V. SpillnerZunächst wird im Beitrag zwischen dem Begriff einer Ursache und einer Korrelation nicht unterschieden: Korrekt ist, dass es erste Studien gibt, wonach die Verminderung der kortikalen grauen Substanz in verschiedenen Gehirnregionen bei Patienten mit Schizophrenie stärker ausgeprägt sein soll als bei anderen Patienten. Nicht richtig ist, ersteres daher als Ursache von letzterem anzusetzen. Erstens sind die Ursachen für Schizophrenie ja nach allem, was man aktuell weiß, ungleich komplexer und vielfältiger. Und zweitens ist eine Korrelation eben keine Ursache - die Ursache mag an ganz anderer Stelle liegen.
Auch fand ich es schade, dass Schizophrenie ausschließlich als "Denkstörung" bezeichnet wurde. Dazu muss man nicht einmal die Studie von Jon L. Karlsson aus "The British Journal of Psychiatry (2004): Psychosis and academic performance" und viele weitere Beiträge zitieren - immer wieder können wir lesen, dass mathematisch Hochbegabte ebenfalls ein erhöhtes Risiko besitzen, Merkmale einer Schizophrenie aufzuweisen.
Unter Umständen ist Schizophrenie also lediglich eine andersartige Form der Informationsverarbeitung - und ich möchte mir nicht anmaßen zu bewerten, ob dies unter allen Umständen eine Krankheit sein muss oder ob es nicht zunächst schlicht eine Form ist, unsere Welt wahrzunehmen. Meines Erachtens ist hier eine deutlich differenziertere Betrachtungsweise gefragt.
Nicht zuletzt fühlte ich mich auch ehrlich betroffen, im Artikel "Anomalien im Erleben und Verhalten" in einem Atemzug mit der Bewertung weiterer "Erkrankungen in der Pubertät" zu lesen. Ich denke, dass unsere Gesellschaft genau an solchen vorschnellen Identifikationen krankt - schade für uns, wenn wir so konformistisch und unkritisch denken: Wie viel kreatives Potenzial und wie viel Respekt gegenüber Andersartigkeit verlieren wir dabei?
Methodische Frage
30.11.2012, Arnim KirschÖkonomische Besserstellung in der Jugend ermöglicht eine sorgenfreie und höherwertige Schul-/Ausbildung und führt auf diesem Umweg zu höheren Einkommen im späteren Leben.
Falls diese Größe nicht herauspartialisiert wurde, handelt es sich um ein Artefakt.
Wer abnehmen will, muss abgeben
24.11.2012, Franz Josef Neffe"Ich will essen", bedeutet also: "Ich wähle zu essen."
Von "mehr wählen" oder "stärker wählen" oder von "sich (mehr) anstrengen beim Wählen" wird beim Essen keiner satt.
Von einmal wählen + einmal essen schon.
Imagination und Autosuggestion in Coué-Qualität können mehr möglich werden lassen, als selbst Kabarettisten glauben.
Gerade der Text von Eckart von Hischhausen zeigt doch, wie wunderbar und hundertprozentig seine eigene Autosuggestion bezüglich abnehmen funktioniert:
Er konditioniert sich immer wieder, wo und wem und wie er "die kleinen Tütchen abnehmen" wird, und nichts kann dieses, sein Top-Programm dann aufhalten.
Einfach beispielhaft!
Wir sollten alle mindestens so gut Autosuggestion lernen; es couét!
Franz Josef Neffe