Wenn Sie mit Allergiesymptomen zum Arzt gehen, wird er Sie mit Sicherheit nach Ihrer familiären Vorgeschichte befragen. Denn dass Allergien auch eine erbliche Komponente haben, steht außer Zweifel. Die beteiligten Gene dingfest zu machen, hat sich jedoch als äußerst schwierig erwiesen. Seit im Jahr 2001 die vollständige Sequenz des menschlichen Genoms aufgeklärt wurde, hat sich der Schwerpunkt der Forschung verlagert. Es geht nun nicht mehr vorrangig darum, einzelne "Allergiegene" zu finden. Stattdessen versuchen die Wissenschaftler, in genomweiten Assoziationsstudien herauszufinden, ob sich Allergien in bestimmten Bevölkerungsgruppen häufen und wie Umweltfaktoren und genetische Vorprägungen zusammenwirken. Genomweite Assoziationsstudien untersuchen die Variationsbreite des menschlichen Genoms innerhalb einer Gruppe – meist, um eine Krankheit mit bestimmten genetischen Merkmalen in Verbindung zu bringen. Ihr Ziel ist es, herauszufinden, welche Genvarianten zusammen mit der Krankheit auftreten.

Dieser Ansatz verspricht einen großen Nutzen. Zum einen können allergische Erkrankungen bezüglich ihrer Symptome und ihres Schweregrads sehr unterschiedlich verlaufen. Die genetischen Faktoren zu kennen, die diese Vielfalt bedingen, würde eine genauere Diagnose und eine bessere Therapie ermöglichen. Zum anderen möchten die Mediziner mit Hilfe der Genetik aufklären, wie Allergien und Asthma zusammenhängen. Epidemiologische Untersuchungen zeigen nämlich, dass etwa 80 Prozent der Kinder, die Asthma haben, auch an allergischem Schnupfen leiden. Die Gründe dafür sind weit gehend unklar.

Als Genetiker vor 40 Jahren damit begannen, die erblichen Komponenten von Allergien zu untersuchen, hielten sie zunächst nach "verdächtigen" Genen Ausschau – also solchen, die mit der Ausprägung bestimmter Symptome verknüpft zu sein schienen. Die meisten Erbanlagen, die dabei identifiziert wurden, hatten mit dem Immunsystem zu tun. Besonders interessant schienen die HLA-Gene (human leukocyte antigen) zu sein, die fast alle auf Chromosom 6 lokalisiert sind. Sie enthalten die Bauanleitungen für Proteine, die dem Organismus dabei helfen, Allergene und andere körperfremde Stoffe zu erkennen. Das Problem war jedoch, dass es nur selten gelang, einen statistisch bedeutsamen Zusammenhang zwischen genetischer Ausstattung und der Häufigkeit bestimmter Symptome zu finden. Bis zum Jahr 2010 waren beinahe 1000 Studien publiziert worden, in denen Wissenschaftler über Erbanlagen berichteten, die möglicherweise mit Allergien assoziiert sind – doch ein klares Bild ergab sich daraus nicht …