Die Geschichte der Genetik ist verhältnismäßig kurz – aber überaus ereignisreich und gesellschaftlich bedeutsam. In nur 150 Jahren hat sie eine dramatische Entwicklung durchlaufen: vom beschaulichen Klostergarten von Brünn, wo der Mönch Gregor Mendel seine Erbsen zählte, bis zu börsennotierten Unternehmen und bohrenden Fragen nach den Persönlichkeitsrechten von Menschen.

Zwei Autoren nähern sich von sehr verschiedenen Ausgangspunkten dem Ziel, ein und dieselbe Geschichte zu erzählen. Der Wissenschaftshistoriker Ernst Peter Fischer tut es stets unterhaltsam und teilweise spannend wie in einem Krimi. Der emeritierte Professor Rolf Knippers müht sich erkennbar mehr damit ab, das Material aus seinem Lehrbuch "Molekulare Genetik" einzudampfen, um zusätzlich Platz für Geschichten von Forschern und ihren historischen Versuchen zu schaffen. Beide orientieren sich beim Aufbau im Großen und Ganzen an der Chronik bahnbrechender Erkenntnisse.

Mendels Versuche von 1865 gerieten zunächst in Vergessenheit. Doch schon bald nachdem Anfang des 20. Jahrhunderts mehrere Wissenschaftler deren Bedeutung erkannt hatten, gelang der nächste wichtige Schritt: Theodor Boveri (1862 – 1915) und Walter Sutton (1877 – 1916) identifizierten die Chromosomen als Träger der Gene. Dem "Fliegenpapst" Thomas Hunt Morgan (1866 – 1945) gelang es, aus dem Vererbungsmuster verschiedener Mutationen bei der Taufliege Drosophila die Position der zugehörigen Gene auf den Chromosomen zu erschließen …