Auf den ersten Blick erscheint eine solche Frage geradezu absurd. Schließlich sollte Mutter Natur das Geschlecht eines Menschen eindeutig festlegen. Denn wie jedes andere anständige Säugetier besitzt auch Homo sapiens in seinem Chromosomensatz zwei Geschlechtschromosomen: Individuen mit zwei X-Chromosomen gelten als Frauen, gesellt sich dagegen zu einem X- ein eher kümmerlich wirkendes Y-Chromosom hinzu, spricht man von einem Mann. So weit die Theorie.
Neben den 22 Chromosomenpaaren besitzen Männer ein X- und ein Y-Chromosom (XY, rechts), Frauen dagegen zwei X-Chromosomen (XX). Menschen, die auf Grund einer Chromosomenanomalie nur ein X-Chromosom aufweisen (X0), gelten biologisch als weiblich, XXY-Individuen als männlich.
Weitaus häufiger mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:400 bis 1:1000 taucht eine Chromosomenanomalie auf, die Turners Kollege Harry Fitch Klinefelter (1912-1990) beschrieben hat: Wenn sich bei der Samenzellreifung des Vaters die Geschlechtschromosomen nicht getrennt haben, besitzt das Kind zwei X- und ein Y-Chromosom. Ist es ein Junge oder ein Mädchen?
Biologisch sind XXY-Individuen männlich, auf Grund niedriger Testosteronwerte besitzen sie aber vergleichsweise kleine Hoden und bleiben fast immer zeugungsunfähig. Bei den meisten Klinefelter-Männern sind die Symptome so unauffällig, dass sie nichts von ihrer chromosomalen Besonderheit wissen.
Nach der Pubertät entwickelt sich allerdings mitunter ein feminin wirkender Körperbau – das Geschlecht ist also doch nicht so eindeutig festgelegt. So startete die polnische Leichtathletin Eva Kłobukowska bei den Olympischen Spielen 1964 in Tokio als Frau und sicherte ihrer Staffel im 4-mal-100-Meter-Lauf die Goldmedaille. Als bei ihr ein zusätzliches Y-Chromosom entdeckt wurde, strich der Weltleichtathletikverband sie/ihn aus den Rekordlisten.
Doch selbst ein normal erscheinender XY-Chromosomensatz kann zur Intersexualität führen. So gibt es Individuen, die genetisch zwar Männer sind und entsprechend männliche Geschlechtshormone produzieren, aber nur über unzureichend funktionierende Androgenrezeptoren verfügen, so dass die Hormone ihre Wirkung nicht entfalten können. Männer mit einer partiellen Androgenresistenz fallen vor allem durch verminderte Bart- und Körperbehaarung sowie durch Unfruchtbarkeit auf.
Liegt dagegen eine komplette Androgenresistenz vor, dann entstehen während der Embryonalentwicklung keine sichtbaren männlichen Geschlechtsorgane. Die Hoden bleiben unsichtbar im Körperinnern, es entwickelt sich eine kurze Scheide, Gebärmutter und Eileiter fehlen ganz. Äußerlich sehen die Betroffenen weiblich aus und wachsen als Mädchen auf. Von ihrem genetisch männlichen Wesen ahnen sie meist nichts.
Dies könnte bei Caster Semenya der Fall sein. Sportlich hätte sie/er dann aber wenig von der vermeintlichen Männlichkeit, verfehlen doch die männlichen Hormone ihre leistungssteigernde Wirkung.





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1. Intersexualität
26.08.2009, D. Boursillon, Scheermit all der Information war der Artikel über die Intersexualität sicher wertvoll! Vielleicht sollte aber nicht aus den Augen verloren werden, dass es sich hierbei um einen massiven Angriff auf die Persönlichkeitsrechte eines Athleten handelt. Es gibt keinerlei Verdachtsmomente, die eine solche Anschuldigung rechtfertigen. Damit, dass Sie diese Nachrichten als "Information" weiterleiten, gehen Sie und Ihre Kollegen zu weit! Alleine schon mit dem Finger auf eine Person zu zeigen, weil sie Herausragendes leistet, ist ungebührlich. Ihr dann auch noch die Beweislast des Gegenteils zu suggerieren ist grotesk.
Aber: Das mit der Menschlichkeit und mit der Menschenwürde sieht natürlich jeder anders...
Viele Grüße