Wer in Heidelberg und Umgebung wohnt, kann kurz vor den Schulferien das Programm der obligatorischen Grillfeste und Schultheateraufführungen noch um echte Wissenschaft bereichern. Das von der Klaus-Tschira-Stiftung finanzierte "Heidelberg Laureate Forum" lädt zu interaktivem Ausstellungsbesuch samt Filmfestival ein.

Die eigentliche Veranstaltung ist der Elite vorbehalten. Träger der höchsten Mathematik- und Informatik-Preise werden sich nach dem Vorbild der Lindauer Nobelpreisträgertagungen mit 200 handverlesenen Nachwuchswissenschaftlern treffen (siehe diesen und diesen Bericht von der letztjährigen Tagung). Aber die lokale Allgemeinheit soll von der geballten Wissenschaft nicht ganz unberührt bleiben. Deswegen kommt die vom Mathematischen Forschungsinstitut Oberwolfach ins Leben gerufene interaktive Ausstellung "Imaginary" ins Heidelberger Kulturhaus Karlstorbahnhof.

Deren Herzstück ist nach wie vor das Programm "Surfer": Der Besucher darf eine algebraische Formel eingeben, und ein Großbildschirm zeigt ihm die dazugehörige Fläche. Einige Klassiker von Herwig Hauser sind auf Wandtafeln zu besichtigen.

Wir hatten 2008 einen Wettbewerb um das schönste mit "Surfer" erstellte Bild ausgelobt. Der fand nicht nur reichlich Zuspruch; zwei Künstler nutzen nach wie vor (sporadisch) unsere damals eingerichtete Plattform, um ihre neuesten Werke der Öffentlichkeit zu präsentieren. Den zweiten Preis gewann damals die Filmeditorin Bianca Violet, die – unter anderem – das Programm "Surfer" zu künstlerischen Zwecken zweckentfremdet hatte. Ihre Gleichungen sagten eigentlich nichts weiter als 0=0; aber durch Rundungsfehler produzierte das Programm interessante Muster. Am vergangenen Sonntag habe ich das Vergnügen, sie persönlich kennenzulernen; sie ist von "Imaginary" engagiert worden. Mit der aktuellen Version von "Surfer" gehen ihre Bilder übrigens nicht mehr; das Programm ist nachgebessert worden, damit es gegen Rundungfehler nicht mehr so empfindlich ist.

Planeten- und Kometenbahnen mit "Cinderella"
© HLFF / Kropp
(Ausschnitt)
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Wenn du jetzt mit dem Finger auf den Bildschirm drückst, verrutscht die Sonne, und der Komet nimmt einen ganz anderen Weg. Das Programm "Cinderella" rechnet es auf der Stelle aus.

Darüber hinaus bietet "Imaginary" noch etliche Schätze. Der Besucher kann die verschiedensten Bilder erzeugen, indem er smartphonemäßig die große Projektionstafel mit dem Finger berührt.

Spiegelkegel aus dem Phaeno
© HLFF / Kropp
(Ausschnitt)
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Das Wolfsburger Experimentiermuseum Phaeno ist mit fünf Exponaten dabei, darunter auch einem Laserstrahl, der immer wieder an der Innenseite eines Kreises reflektiert wird und dadurch regelmäßige Vielecke beliebiger Eckenzahl bilden kann.

Kommen Sie am besten am späten Nachmittag und gehen Sie nach dem Ausstellungsbesuch um die Ecke ins Kino, das sich im selben Gebäude befindet. Um 18 Uhr gibt es jeden Abend den Animationsfilm "MESH", in dem es um Kurven und Flächen im Raum geht, und um 19.30 Uhr einen Film mit mathematischem oder Computer-Thema (detailliertes Programm hier). Ich selbst bin gespannt auf "Colors of Math" am Samstagabend.