Eigentlich ist es ein Trainingsvideospiel für US-Soldaten. Doch die paar Freiwillige, die im vergangenen Jahr in einem Labor in Albuquerque zusammensaßen und DARWARS Ambush! spielten, taten dies ganz zivil im Dienst der Wissenschaft. In virtuellen Ruinenlandschaften galt es, verdeckte Gefahren aufspüren, sei es der Schatten eines Heckenschützen oder eine improvisierte Sprengfalle hinter einem Mülleimer - sekundenschnell, bevor Explosionen oder Schüsse knallten. Dass dabei ein feuchter Schwamm an ihrer rechten Schläfe ein leichtes Prickeln verursachte, vergaßen die meisten völlig. Nicht mehr als ein paar Milliampere wurde ihnen mit einem simplen Gerät und einer Neun-Volt-Batterie ins Gehirn geleitet. So unorthodox das Experiment scheinen mag, für Versuchsleiter Vincent Clark, Neurowissenschaftler von der University of New Mexico in Albuquerque, hatte es einen ernsten Hintergrund: Mit der so genannten transkranialen Gleichstromstimulation (tDCS, transcranial direct current stimulation) glaubt der Forscher die Lernfähigkeit seiner Probanden entscheidend verbessern zu können. Und trotz seiner Einfachheit scheint das System zu funktionieren. Diejenigen Freiwilligen, die über Elektroden an der Kopfhaut die zwei Milliampere erhielten - was in etwa einem Fünfhundertstel des Stromflusses in einer 100-Watt-Glühlampe entspricht -, hatten sich nach kurzem Trainingsspiel mehr als doppelt so stark verbessert wie Teilnehmer mit einem Zwanzigstel des Stromflusses [1]. "Sie lernen schneller, können sich aber nicht richtig erklären, warum", sagt Clark. Sein Projekt förderte die amerikanische Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA) - in der Hoffnung, eines Tages die Sinne...