Der Lauf der Sonne galt lange Zeit als verlässlichster Anhaltspunkt für die Messung der Zeit: Wenn sie wieder ihren höchsten Stand an der Himmelskugel erreichte, war genau ein Tag vorüber. Doch die so gemessenen Tage sind keineswegs alle gleich lang, denn die Erde rotiert mit nachlassendem Tempo um ihre Achse. Die Folge: Die Tageslänge wächst um 1,7 Millisekunden – pro Jahrhundert. Eine winzige Veränderung zwar, die aber für grundsätzliche Aspekte der Zeitmessung ebenso relevant ist wie für die Erforschung der Prozesse, die die Drehung der Erde abbremsen. Erstaunlicherweise sind es historische Aufzeichnungen über Sonnenund Mondfinsternisse bis zurück in die Zeit um 700 v. Chr., denen wir diese Information verdanken.

Als Basiseinheit der Zeitmessung in der Antike diente der »wahre Sonnentag«. Diese Zeitspanne zwischen zwei Meridiandurchgängen des Zentralgestirns ließ sich einfach an einer Sonnenuhr ablesen. Doch er ist alles andere als konstant. Weil die Bahn der Erde um die Sonne elliptisch und die Rotationsachse der Erde gegen ihre Umlaufbahn geneigt ist, wandert die Sonne nicht mit gleichmäßiger Geschwindigkeit über den Himmel.

Diesen Effekt kannte zwar schon der alexandrinische Gelehrte Claudius Ptolemäus.