Forschung und Technik im Mittelalter - Spektrum der Wissenschaft Highlights 3/2008

Mittelalter - das Wort ruft bekannte Stereotypen in unseren Köpfen hervor: Ritter in Schlachtengetümmel, unglücklich verliebte Minnesänger und eine das Geistesleben völlig dominierende Kirche.

Doch diese Ansichten aus der Perspektive späterer Zeitalter werden der Epoche nicht gerecht. Das Mittelalter, das waren gut tausend Jahre Wandel und Übergang - eine Zwischenzeit, die das Erbe der Antike vor dem Zerfall bewahrte und dabei die Grundlagen des modernen Europas legte. In dieser Periode entwickelten Gelehrte den logischen Diskurs, das Bildungsmodell Universität und schufen auf Basis griechischer und arabischer Schriften eine praxisorientierte Medizin, frühe Formen der Mathematik, Physik und Chemie. Technische Erfindungen wie Uhrwerke oder Mühlen waren neben dem ausgeprägten Handel die Grundlage für das florierende Leben in den Städten. Auch wenn Kirche und Glaube stets den Rahmen für neue Ideen setzten, gingen die Gelehrten doch am Ende darüber hinaus - die Scholastiker ersannen die experimentelle Wissenschaft, das Mittelalter gebahr die Neuzeit.

unveränderte Neuauflage von Spezial 2/2002
(10. Oktober 2008)

Inhaltsverzeichnis

Tausend Jahre Europa

 
6
Im Mittelalter gewann das Abendland die uns heute vertraute politisch-geografische Gestalt, rang um das Vermächtnis der Antike und entwickelte seine eigene Identität.

Astronomie: Ex Oriente Lux

 
8
Sind die Sterne Geschöpfe Gottes? Dreht sich die Erde oder der Himmel? Arabische Gelehrte bewahrten und entwickelten das astronomische Wissen der Griechen.

Sphärenharmonien: Die Welt als Klangbild

 
14
Wie der Kosmos beschaffen sei, hofften Gelehrte durch die Musik zu erkennen.

Algorithmen: Programme für den Handbetrieb

 
16
Manche Rechnerverfahren des Mittelalters ähneln auf verblüffende Weise den Algorithmen heutiger Computerprogramme.

Kugel oder Scheibe? Das Bild von der Erde im Mittelalter

 
20
Hartnäckig hält sich die Vorstellung, vor Beginn der Neuzeit sei die Erde als scheibenförmig angesehen worden – ein Mythos.

Geometrie: Gelehrte Kreise

 
26
Weil Gott die Welt nach Maß und Zahl geordnet habe, erforschten christliche Gelehrte auch die Gesetzte der Geometrie.

Scholastik: Theologie plus Philosophie

 
32
Wer Gott und Bibel begreifen wolle, müsse seinen Verstand schulen, glaubten die Scholastiker. Und schossen am Ende über das Ziel hinaus.

Physik der Bewegung: Der Pfeil des Aristoteles

 
34
Ausgehend von der Naturlehre des großen Griechen entwickelten Gelehrte neue Vorstellungen über das Wesen von Kraft und Geschwindigkeit.

Hochschulen: Universitas und Universität

 
38
Mit dem Erstarken der Städte wuchs im 12. Jahrhundert der Bedarf an Ärzten, Rechtsanwälten und anderen gebildeten Fachkräften.

Meteorologie: Vom Donner der Erde zur Sternschnuppe

 
44
Erdbeben, Kometen, Donner und Blitz, aber auch Mineralien – Meteorologen erforschten alle Naturvorgänge unterhalb der Sphäre des Mondes.

Körperwelten

  (kostenfrei)
48
Dem Wohle der Patienten diente ein Mix aus Alltagserfahrungen, christlichen und antiken Lehren.

Heilberufe: Doctores, Bader, Scharlatane

 
54
Eine bunte Palette an Heilkundigen aus verschiedenen sozialen Schichten kümmerte sich um die praktische Seite der medizinischen Versorgung.

Arzneien: Simplizia und Composita

 
58
Antike Schriften, islamische Gelehrte und Erfahrungen von Mönchen – heilsame Rezepturen stammten aus vielen Quellen.

Alchemie: Naturlehre, Philosophie und Laborpraxis

 
62
War der Stein der Weisen auch nicht erreichbar, gelangen den Alchemisten auf dem Weg dahin doch allerlei bahnbrechende Entdeckungen.

Maschinen: Die Kunst des Mühlenbaus

 
72
Indem sie Wasser und Wind als Kraftquellen nutzten, schufen mittelalterliche Mühlenbauer die Grundlagen geradezu industriell arbeitender Produktionsbetriebe.

Schiff- und Hafenbau: Kauffahrer erobern die Meere

 
76
Im Hoch- und Spätmittelalter entstanden die logistischen Grundlagen eines weltweiten Seehandels.

Kathedralen: Bauen zum Lobe Gottes

 
80
Gotische Kathedralen sind Stein gewordener Glaube und spiegeln die Finanzkraft der lokalen Kirchengemeinden.

Zeitmesser: Wem die Stunde schlägt

 
84
Jahrhundertelang war Zeitmessung ein Privileg der Herrschenden. Erst mechanische Räderwerke zergliederten den Tag auch weniger Betuchter.

Medientechnik: Vom Pergament zum Papier

 
86
Ohne den Filz aus Fasern und die Kunst des Buchdrucks gäbe es heute keine Massenkommunikation.
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